Spaziergänge in Trastevere

von Joachim Werner

Lesezeit ca. 57 Minuten

Trastevere S. Maria
Piazza S. Maria in Trastevere

Vorwort

Wer nur wenige Tage in Rom zur Verfügung hat, wird wohl kaum dazu kommen, Trastevere, den Teil der römischen Altstadt jenseits des Tibers (trans tiberim), genauer kennenzulernen. Dabei ist das höchst lohnend, hat doch dieser Stadtteil ein ganz besonderes Flair und über seine Top-Sehenswürdigkeiten (die drei alten Basiliken Santa Maria, San Crisogono und Santa Cecilia, die Villa Farnesina und den Gianicolo) hinaus etliche malerische, stimmungsvolle und auch höchst interessante Orte zu bieten. Sie sind alle bequem zu Fuß zu erreichen und Spaziergänge sind auf dieser Seite des Flusses viel angehmer, da Trastevere nur wenige Verkehrsadern hat und die Einfahrt von Fahrzeugen in die engen Straßen und Gassen des Viertels von der Stadtverwaltung reglementiert wird. Besonders vorteilhaft ist es, auch seinen Wohnsitz während eines Romaufenthaltes hier zu nehmen, da man nur vor die Tür zu treten braucht, um mitten im echten römischen Alltagsleben zu stehen, mit (allerdings auch hier immer weniger werdenden) kleinen Geschäften, Osterien und Handwerksbetrieben. Die Trasteverini würden sich jedoch dagegen verwahren, mit den übrigen Römern in einen Topf geworfen zu werden, sie feiern jedes Jahr ihre Festa de Noantri und legen Wert darauf ein ganz eigenständiges Völkchen zu sein.

Trastevere Panorama
Panoramablick auf Rom von einem Dach in Trastevere

Als Rom in der zweiten Hälfte des 19. Jh. Hauptstadt des geeinten Italiens wurde, hatte das auch gravierende Auswirkungen auf dieses Viertel der kleinen Leute. Anstelle der kleinen, noch aus dem Mittelalter stammenden, einfachen Wohnhäuser entstanden vielfach vierstöckige Mietshäuser mit flachen Dächern, die zum Trocknen der Wäsche genutzt wurden. Mit dem Aufkommen moderner Haushaltstechnik wie Waschmaschine und Trockner verloren die Dächer diese Funktion und wurden zu Dachgärten umgenutzt, manchmal entstanden auch zusätzliche Dachwohnungen. Eine solche ist das geeignete Quartier für einen längeren Besuch von Trastevere (und natürlich auch von Rom), ist man doch auf Distanz vom Trubel und Lärm der Großstadt und dennoch inmitten eines lebendigen Viertels. Der regelmäßige Aufenthalt in einer Dachwohnung in der Via del Mattonato (neben S. Maria della Scala) gab den Anlass für das Entstehen dieser Spaziergänge in Trastevere.

Panorama Scala
Panorama mit S. Maria della Scala
Panorama Gianicolo
Panoramablick auf den Gianicolo
Panorama Rom
Panoramablick auf Roms Altstadt
Panorama Trastevere
Panoramablick auf Trastevere

Rundgang I

Ponte Sisto (1), Piazza Trilussa (2), Via di Ponte Sisto, San Giovanni della Malva, Via di Santa Dorotea, Porta Settimiana (3), Via della Lungara, John Cabot University (4), Palazzo Corsini (5), Farnesina (6), Via della Scala, Santa Maria della Scala (7), Piazza di Sant’Egidio (8), Piazza und Santa Maria in Trastevere (9), Via di San Cosimato, Piazza San Cosimato und Ospedale Nuova Regina Margherita (10), Viale di Trastevere, San Crisogono (11), Excubitorium (12), Santa Cecilia (13), mittelalterliches Trastevere (14), Porta Portese (15), von Santa Cecilia zur Piazza in Piscinula (16), Piazza in Piscinula (17), Torre de‘ Anguillara (18), Ponte Cestio (19).

Ponte Sisto

Trastevere Ponte Sisto
Trastevere Ponte Sisto

Vom Herzen Roms (Campo de‘ Fiori) erreicht man Trastevere über den Ponte Sisto. Diese Brücke geht nicht direkt auf die Antike zurück (eine antike Vorgängerin, die im 8. Jh. durch ein Hochwasser zerstört wurde, befand sich einige hundert Meter weiter nördlich), sondern wurde ab 1473 von Papst Sixtus IV. (einem der Erneuerer Roms in der Renaissance) zur Regulierung der Pilgerströme nach Rom neu erbaut und nach ihm benannt. Im Mittelalter gab es nur zwei Möglichkeiten, den Tiber zu überqueren: über die Tiberinsel im Süden und über die Engelsbrücke im Norden. Da die Tiberinsel von verschiedenen Adelsgeschlechtern befestigt wurde und als lukrative Mautstelle für den Flussübergang diente, stauten sich die mittellosen Pilger am Ponte Sant’Angelo. Dem wollte Sixtus mit der Errichtung des Ponte Sisto abhelfen: Besonders im Heiligen Jahr 1475, für das ein großer Anstrom erwartet wurde, sollten die Pilger die Stadt über den Ponte Sisto betreten und sie in Richtung Vatikan über die Engelsbrücke wieder verlassen. Auf der Stadtseite ließ sich der Papst dafür mit zwei lateinischen Inschriften feiern. Übersetzt lauten sie:

Erste Tafel
Sixtus IV. Pontifex Maximus
ließ zum Nutzen des römischen Volkes und der Pilger des Heiligen Jahres
diese Brücke, die mit Recht als zerstört benannt wurde,
von Grund auf sorgfältig und kostenaufwändig wieder aufbauen und
wünschte, man solle ihr seinen Namen geben.

Zweite Tafel
Du, der du durch das Verdienst
Sixtus‘ IV. diese Brücke überquerst,
bitte den Herrn, dass er uns den Pontifex Maximus
lange erhalten und ihm beistehen möge.
Lebe wohl, sobald du das erbeten hast, wer immer du bist.

Die steinerne Brücke ist 105 m lang und 6m breit und hat vier Bögen. Wie an vielen anderen Tiberbrücken auch, befindet sich zwischen den mittleren Bögen auf halber Höhe ein runder Durchlass, der bei Hochwasser den Durchfluss vergrößern und die Brücke entlasten soll. Heute ist die Brücke den Fußgängern vorbehalten, weshalb man an den Enden Sperrgitter angebracht hat, durch die die Fahrradfahrer ihre Vehikel mühsam durchzwängen müssen. Eine Kette, die man bei Notfällen öffnen sollte, ist mit Liebesschlössern so vollgehängt, dass sie diesen Zweck wohl nicht mehr erfüllen kann. Wegen der vielen Touristen, die die Brücke auf dem Weg nach Trastevere benutzen, ist sie stets von Straßenmusikern und afrikanischen fliegenden Händlern besetzt, letztere „fliegend“ im wahrsten Sinn des Wortes, denn beim Nahen der Polizei sind sie mitsamt ihrer Waren im Handumdrehen verschwunden. 2015 war beim Dreh des James-Bond-Films Spectre geplant, den Hauptdarsteller Daniel Craig, bzw. einen Stuntman spektakulär mit einem Fallschirm auf dem Ponte Sisto landen zu lassen, nach Protesten der Denkmalpflege musste das Drehbuch aber geändert werden. In der Endfassung des Films stürzt „nur“ das Auto des Agenten in den Tiber und er erscheint anschließend wohlbehalten auf der Brücke.

Piazza Trilussa

Auf der anderen Seite des Tibers hat man Trastevere erreicht, einige Meter unterhalb der Brücke liegen die niedrigen Häuser des Stadtviertels, die zumeist aus dem Mittelalter stammen. Römische Überreste findet man auf dieser Seite des Flusses nur in den Kellern der Häuser oder unter den 3 großen alten Kirchen. Dass sich über dem Boden kaum Antikes erhalten hat, mag daran liegen, dass hier, im Viertel der einfachen Leute, keine Monumentalbauten errichtet wurden, deren Reste man für neue Zwecke hätte verwenden können. Die höhere Lage der Brücke erklärt sich ebenso wie die hohen Kaimauern am Tiber mit einer einschneidenden Baumaßnahme des 19. Jh.: Um der regelmäßigen Tiberüberflutungen Herr zu werden, riss man die alte Uferbebauung ab und dämmte den Fluss mit hohen Kaimauern ein. Auf den Mauern wurden die Uferstraßen (lungotevere) angelegt, die heute den ganzen Tag voller Autos sind, weil hier nur wenige Kreuzungen existieren und die Autofahrer (vergebens) hoffen, über diese Verbindung schneller ans Ziel zu kommen. An den lungotevere entstanden 4-geschossige Gründerzeitbauten, während dahinter Trastevere seine kleinteilige Bebauung weitgehend erhalten hat.

Trastevere Trilussa
Piazza Trilussa

Die Piazza Trilussa, benannt nach Carlo Alberto Salustri (1871 – 1950), genannt Trilussa, einem römischen Dialektdichter, bildet gewissermaßen das Eingangsportal nach Trastevere. Auf der rechten Seite des Platzes befindet sich sein Denkmal, das von Trilussa-Liebhabern ob der mangelnden Ähnlichkeit und seiner verrenkten Pose nur gering geschätzt wird.

Trastevere Trilussa
Trastevere Piazza Trilussa Statue des Dichters

Die Platzmitte nimmt die Fontana dell’Acqua Paola ein, die – eingelassen in ein Gebäude, wie das Aquarell von Ettore Roesler Franz *) zeigt – ursprünglich auf der anderen Tiberseite stand und nach der Eindämmung des Tibers hier, auf einem viel höheren Standort, wiedererrichtet wurde. Papst Paul V. hatte nach 1000-jähriger Unterbrechung die römische Wasserleitung Acqua Traiana (die jetzt seinen Namen erhielt) wieder herstellen lassen um die Wasserversorgung des in der Renaissance wieder aufstrebenden Roms zu sichern. Sie erreichte Rom auf dem Gianicolo, wo der prachtvolle Fontanone dell’Acqua Paola errichtet wurde und führte (unter dem Tiber hindurch) hinab in die Stadt, wo die Fontana ihr erster Austritt war.

*) Ettore Roesler Franz (1845 – 1907), ein böhmischstämmiger Aquarellist, wurde durch seinem Bilderzyklus Roma sparita (verschwundenes Rom) bekannt. Er war in der Zeit tätig, als Rom Hauptstadt Italiens wurde und widmete sich Motiven, die durch die rasante Modernisierung der Stadt zunehmend verschwanden: Enge Gassen in der Altstadt, die wenigen verbliebenen mittelalterlichen Häuser und pittoreske Ansichten vom Leben der einfachen Römer. Insbesondere in Trastevere fand er eine Unzahl von Anregungen für seine nostalgischen Aquarelle. Leider wird Roesler Franz von der Stadt Rom nicht besonders gewertschätzt, denn obwohl sie seinen kompletten Zyklus von Roma sparita besitzt, wird dieser nur sporadisch ausgestellt.

Trastevere Acqua Paola
Trastevere, Fontana dell‘ Acqua Paola. Aquarell von Ettore Roesler Franz

Die Architekten des Brunnens waren Giovanni Vasanzio (ein Niederländer, eigentlich Jan van Santen) und Giovanni Fontana. Der Auftraggeber, Papst Paul V. Borghese, ließ von Fontana auch die monumentale Brunnenanlage des Fontanone dell’Acqua Paola auf dem Gianicolo errichten. Der aus der Schweiz stammende Giovanni Fontana hatte sich auf Brunnenbauten spezialisiert, sein Bruder Domenico Fontana ist durch die spektakuläre Aufrichtung des vatikanischen Obelisken berühmt geworden. (Carlo Fontana, ein Architekt des Barock, der in Rom viele Bauten hinterließ, ist nicht mit den beiden Schweizer Fontanas verwandt). Die Stufen des auf der Piazza Trilussa wieder aufgebaute Brunnens bilden an lauen Abenden einen wundervollen Zuschauerrang für Darbietungen von Künstlern auf dem Platz.

Trastevere Trilussa Acqua Paola
Trastevere Piazza Trilussa, Acqua Paola

Zur Porta Settimiana

Von der Höhe des Platzes steigt man nun auf das originale Niveau von Trastevere hinab. Obwohl sich das Viertel in den letzten 20 Jahren immer mehr zum Gastronomiezentrum und zum Touristenmagneten entwickelt hat, bewahrt es dennoch – mehr als die Altstadtviertel auf der anderen Tiberseite – einiges vom Charme Roms vor der Einigung Italiens, wie in den Aquarellen von Roesler Franz dargestellt. Auch in Trastevere findet man – wie im centro storico auf der anderen Seite – die barocken Marmortafeln, auf denen der Straßenpräsident (eine hohe päpstliche Amtsperson) bei gepfefferten Strafen von 10 scudi das Wegwerfen von Müll auf den Straßen verbietet. Ein fast 300jähriger vergeblicher Kampf! (Eine der Tafeln befindet sich am Übergang des Vicolo del Cinque zur Via della Scala, eine andere in der Via della Lungaretta zwischen der Piazza di Santa Maria und der Viale di Trastevere).

Barockes Verbotsschild

Den hohen Anteil an Ferienwohnungen im Viertel erkennt man am häufigen Klackern der Rollkoffer von Touristen auf dem reparaturbedürftigen Sanpietrini-Pflaster der Gassen. Die schwarzen Basaltwürfel haben ihren Namen vom Petersplatz, wo sie vor 400 Jahren erstmals verlegt wurden. Sie sind – ebenso wie der honiggelbe Travertin – die charakteristischen Steine Roms und auch Trasteveres. Über die Via di Ponte Sisto erreicht man den ersten von vielen entzückenden Plätzchen Trasteveres: die Piazza San Giovanni della Malva, mit der gleichnamigen Kirche, der Nationalkirche der Albaner in Rom. Neben dem (kunsthistorisch unbedeutenden) Bauwerk wurde eine Malve gepflanzt, obwohl sich der Name wohl eher von mica aurea (goldgelber Sand) ableitet, der Bezeichnung für Trastevere im Mittelalter. (Auch der Name von San Cosimato bezieht sich auf mica aurea und San Pietro in Montorio auf mons aureus (s.u.).

Piazza San Giovanni della Malva

Von hier führt die Via Santa Dorotea mit der gleichnamigen Barockkirche zur Porta Settimiana. (Diese kann man alternativ auch über den Vicolo del Cinque erreichen, der seinen Namen der im ersten Renaissancepalast der Straße auf der linken Seite wohnenden Adelsfamilie Cinque verdankt). Der Name der porta bleibt bis heute ungeklärt, an Septimius Severus kann er nicht orientiert sein, denn das Tor war Teil der aurelianischen Stadtmauer, die erst 70 Jahre nach diesem Kaiser erbaut wurde. Aurelians Mauer umschloss jetzt ganz Rom auf beiden Seiten des Tibers.

Trastevere Porta Settimiana
Trastevere, Porta Settimiana

Das heute existierende Tor stammt allerdings erst aus der Zeit Papst Sixtus IV. Die schwalbenschwanzförmigen Zinnen (nach den Zinnen auf staufischen Burgen auch Ghibellinenzinnen genannt) sind ein Zitat aus dem Mittelalter, zur Zeit der Erbauung hatten sie keine militärische Bedeutung mehr. Durch die Porta Settimiana führte die Via della Lungara aus der Stadt heraus zum Vatikan. Im 17. Jh. errichtete Papst Urban VIII. den muro gianicolense zur besseren Verteidigung des Vatikans. Diese Mauer umschloss Trastevere jetzt in einem wesentlich größeren Bogen und reichte bis an den Vatikan, so dass die antike Stadtmauer hier ihre Bedeutung verlor und allmählich verschwand. Auch die Porta Settimiana lag nun innerhalb des Mauerrings und hatte keine militärische Bedeutung mehr, blieb aber erhalten. Die neuen Stadttore Trasteveres waren jetzt die Porta San Pancrazio auf dem Gianicolo und die Porta Portese, die die antike porta portuensis ersetzte. 

John Cabot University

Passiert man die Porta Settimiana, so liegt in der Via della Lungara gleich rechts die private amerikanische John Cabot University. Sie wurde 1976 gegründet und bietet verschiedene Studiengänge in englischer Sprache an. In ihrer Namensgebung bezieht sie sich auf den italienischen Seefahrer Giovanni Caboto, der im Jahre 1497 als erster Europäer nach den Wikingern das amerikanische Festland (Neufundland) erreichte (Kolumbus war ja „nur“ auf einer Insel gelandet). Da nur sehr wenig über Caboto bekannt ist, eignete er sich sehr gut dafür, von verschiedenen Seiten instrumentalisiert zu werden. So streiten in Italien die Städte Chioggia, Venedig und Genua darum, seine Geburtsstadt zu sein. Da er seine Überseereisen im Dienste des englischen Königs (Heinrich VII.) unternahm, beanspruchen ihn die Briten unter dem Namen John Cabot als ersten Briten, der das „unbewohnte“ amerikanische Festland betrat und somit die englische Vorherrschaft über diesen Teil der Welt begründete. Auch das jetzt unabhängige Kanada sieht in ihm seinen Gründungsheros. Die Wahl seines anglisierten Namens für die US-amerikanische Privatuniversität in Rom soll die Verbindung der angelsächsischen Welt mit Italien und seiner Hauptstadt unterstreichen, obwohl Caboto nie etwas mit Rom zu tun hatte und auch nicht als „Italiener“ im Sinne des modernen Nationalstaats gelten kann.

Trastevere Cabot University
Trastevere John Cabot University

Palazzo Corsini

Nur wenige Meter weiter, auf der anderen Straßenseite der Via della Lungara befindet sich der Palazzo Corsini. An seiner Stelle stand seit der Renaissance eine Villa der Familie Riario, die von ihrem Onkel, Papst Sixtus IV. della Rovere, begünstigt wurde und viele Kardinäle stellte. Namhafte Palazzi wie der Palazzo della Cancelleria und der Palazzo Altemps in der römischen Innenstadt gehörten den Riario, die in der Geschichte des Papsttums durch beispiellosen Nepotismus und finstere Intrigen wie die Pazzi-Verschwörung, der Giuliano de‘ Medici im Dom von Florenz zum Opfer fiel, berüchtigt waren.

Christina von Schweden

Eine spätere Bewohnerin des Riariopalastes war Königin Christina von Schweden, die nach ihrer Abdankung, der anschließenden Flucht aus Schweden und der Konversion zum Katholizismus ab 1655 zunächst im Palazzo Farnese gewohnt hatte. Ihr Übertritt zum katholischen Glauben hatte im gegenreformatorischen Rom große Begeisterung ausgelöst; schließlich war sie die Tochter Gustav II. Adolfs, des protestantischen Anführers im 30jährigen Krieg. Deshalb ließ man ihr jedwede Unterstützung angedeihen, wie die standesgemäße Unterbringung – ab 1659 im Palazzo Riario – , oder bei ihren vielen, allerdings vergeblichen Bewerbungen auf diverse verwaiste europäische Throne. Bei ihrer Abreise aus Schweden hatte sie namhafte Kunstwerke aus königlich-schwedischem Besitz (z. T. aus dem berüchtigten Prager Kunstraub stammend) mitgehen lassen, die jetzt in ihrem Palazzo ausgestellt, später auch zur Deckung ihres aufwändigen Lebensstils verkauft wurden. Hier widmete sie sich ganz der Kunst, sie hatte ein eigenes Orchester und spielte wohl auch selbst Geige. Bei Alessandro Stradella und Bernardo Pasquini gab sie Kompositionen in Auftrag, Giacomo Carissimi und Alessandro Scarlatti wurden ihre Kapellmeister, Arcangelo Corelli widmete ihr sein Opus 1. Das Teatro Tor di Nona, das erste öffentliche Theater der Stadt, wo auch Frauen spielen oder singen durften, wurde 1671 auf ihr Betreiben eröffnet, aber schon 1676 auf Anweisung des neuen Papstes Innozenz XI. wieder geschlossen – obwohl ganz Rom von dieser Neuerung begeistert war. Auch unter dem neuen Glauben bewahrte sie sich große Unabhängigkeit, über ihr Liebesleben mit angeblichen Beziehungen zu einer Hofdame oder einem Kardinal wurde viel getratscht, ebenso über ihren männlichen Kleidungsstil und ihre Weigerung, je zu heiraten. Ihr Mut zur Toleranz erregte Aufsehen im Kirchenstaat, so verurteilte sie die Verfolgung der Hugenotten unter Ludwig XIV. und nahm 1686 die Juden Roms unter ihren persönlichen Schutz. Christina starb 1689 in Rom und wurde in den Vatikanischen Grotten im Petersdom beigesetzt. Der Großteil ihrer Kunstwerke wurde zur Begleichung ihrer nicht unerheblichen Schulden im Kunsthandel über ganz Europa verstreut verkauft. Teile der kostbaren Bibliothek sowie ihre Briefe und Dokumente erwarb später der Papst. Die von ihr angeregte accademia dell’Arcadia wurde zwar erst nach ihrem Tod formell gegründet, Sitzungen hatte es aber zu ihren Lebzeiten an ihrem Wohnsitz schon gegeben.

Trastevere Palazzo Corsini
Trastevere Palazzo Corsini

Accademia Nazionale und Galleria Nazionale

Das Renaissancegebäude des Palastes wurde nach Christinas Tod von der Familie Corsini erworben und zwischen 1730 und 1740 durch Ferdinando Fuga, einen zwar berühmten, aber doch eher mittelmäßigen Florentiner Architekten zum heutigen Erscheinungsbild umgebaut. Während der napoleonischen Besetzung Roms wohnte hier Joseph Bonaparte, 1883 ging das Gebäude in den Besitz des italienischen Staates über. Die italienische Akkademie der Wissenschaften, auf italienisch: Accademia Nazionale dei Lincei (der Luchsartigen, der Luchs ist auch das Wappentier der Akademie) und die Zweigstelle der Galleria Nazionale d’Arte Antica sind heute im Palazzo Corsini untergebracht. Die Galleria Nazionale teilt zwar ihren Bestand zwischen dem Palazzo Barberini (13. bis 16. Jh.) und dem Palazzo Corsini (17. bis 18. Jh.) auf, dennoch befindet sich von den im 17. Jh. entstandenen Caravaggio-Gemälden nur „Johannes der Täufer“ hier, während „Judith enthauptet Holofernes“, „Narziss“ und „Franziskus als Büßer“ zu den Highlights des Palazzo Barberini gehören. Die Gartenanlagen des Palazzo Corsini sind jetzt Teil des Botanischen Gartens (Orto Botanico dell’Università di Roma) der ältesten römischen Universität „La Sapienza“, die bis 1870 päpstlich war.

Farnesina

Trastevere Farnesina
Trastevere Villa Farnesina

Die Farnesina, gegenüber vom Palazzo Corsini, ist eine entzückende Sommervilla aus der Renaissance, erbaut vom Maler und Architekten Baldassare Peruzzi für den unglaublich reichen Bankier Agostino Chigi. Dieser hatte sich – aus Siena stammend – durch Bank- und lukrative Handelsgeschäfte zum reichsten Manne Roms hochgearbeitet und war der Finanzier mehrerer Päpste, insbesondere Julius II., dessen Wahl er befördert haben soll, so dass dieser ihm erlaubte, die Eiche aus dem Wappen der della Rovere (der Familie des Papstes) in seinem eigenen zu verwenden. Obwohl selbst aus ungebildeten Kreisen stammend, hatte er mit Julius die Liebe zur Kunst (der Renaissance) gemein und so war es ihm ein großes Bedürfnis, bei der Gestaltung seiner Villa die bedeutendsten Künstler zu beauftragen. Chigi besaß bereits einen Palazzo in der Innenstadt Roms, aber die Sommervilla sollte diesen in künstlerischer Hinsicht und von der Lage her übertreffen.

Trastevere Farnesina
Trastevere Farnesina, Gartenloggia mit Raffael-Fresken.

Auf der anderen Tiberseite (also in Trastevere) kaufte er ein langes Gelände am Flussufer, das zu einem Park umgestaltet wurde. Auf der Anhöhe, geschützt vor den Überflutungen des Tibers, entstand die Villa. Peruzzi erbaute sie in klaren Formen ohne übermäßigen Zierat (mit Ausnahme der – jetzt verlorenen – Fresken auf den Außenfassaden). Das 19m hohe Gebäude weist mit Keller, Erdgeschoss, Mezzanin, Obergeschoss, Mezzanin und Belvedere 6 Stockwerke auf. Im Keller lagen die Wirtschaftsräume, darüber die Repräsentationssäle, in den 2 Mezzaninen die Räume für die Bediensteten und im Obergeschoss die Privaträume. Eine mit trompe l’oeil-Effekten versehene Prachttreppe verbindet die beiden Hauptgeschosse. Die Säle des Erdgeschosses, darunter eine wunderbare Gartenloggia, ließ Chigi von Sebastiano del Piombo und Raffael und dessen Werkstatt mit großformatigen Fresken nach Themen aus „Der goldene Esel“ von Apuleius ausgestalten, nach Raffaels frühem Tod setzten Peruzzi mit architektonischen trompe l’oeil Bildern im großen Saal und Sodoma mit Gemälden der Hochzeit Alexanders des Großen (mit dem sich Chigi offenbar verglich) mit Prinzessin Roxane im Schlafzimmer Chigis fort.

Trastevere Farnesina
Trastevere Farnesina, trompe l’oeil Bild von Perruzzi.

Eine gewisse Großmannsucht war Chigi wohl nicht abzusprechen: Bei einer seiner Einladungen der Größen Roms speiste man von goldenem Geschirr, den Gästen wurde bedeutet, dieses anschließend in den Tiber zu werfen. Natürlich hatte der clevere Bankier vorher Netze im Fluss spannen lassen, mit denen man die Wertsachen später wieder herausholen konnte. Aber die Legende vom unermesslichen Reichtum Chigis verbreitete sich. Eine Gruppe von Konkurrenten, die sich gegen ihn verschworen hatten und ihre Außenstände bei ihm gleichzeitig und unverzüglich zurückforderten, zahlte er ohne mit der Wimper zu zucken aus. Weniger glücklich war er in seinen privaten Beziehungen: seine erste Ehefrau verstarb, ohne ihm den ersehnten Erben geschenkt zu haben. Nun setzte er auf eine wesentlich jüngere Frau aus kleinen Verhältnissen, der er eine klassische Bildung angedeihen ließ. Jahrelang lebte er mit ihr unverheiratet zusammen und hatte mehrere uneheliche Kinder. Als der Papst ihm schließlich bedeutete, diesen Zustand nicht länger zu dulden, bereitete er eine prunkvolle Hochzeit vor, zu deren Anlass auch die Gemälde in seinem Schlafzimmer entstanden. Die Hochzeit überlebte er nur ein Jahr, auch seine so viel jüngere Frau starb früh.

Sein Sohn schaffte es, das ungeheure Erbe in kurzer Zeit zu verprassen und daher gelangte die Farnesina in den Besitz der ebenso reichen Familie Farnese – von der sie auch den Namen erhielt, um sie vom großen Palazzo Farnese auf der anderen Tiberseite zu unterscheiden. Die Farnese planten Großes: Da der berühmte Palazzo über keine seiner Größe entsprechenden Parkanlagen verfügte, sollte er durch eine Brücke über den Tiber mit der Farnesina und ihrem Park verbunden werden. Doch wurden diese Pläne nie verwirklicht.

Zur Zeit Karls V. – während des berüchtigten Sacco di Roma – lagerten deutsche Landsknechte in der Farnesina und verunzierten den Peruzzi-Saal mit Graffiti, in denen sie sich brüsteten, den „bapst haben lauffen machen“. Nach langem Leerstand und Verfall kam die Farnesina schließlich 1926 in den Besitz des italienischen Staats, der einen Fahrstuhl einbauen ließ, mit dem Gehbehinderte von heute bequemer als zu Chigis Zeiten die Geschosse überwinden können. Heute dient die Farnesina als Museum und als Repräsentanz der Accademia dei Lincei, die im gegenüberliegenden Palazzo Corsini untergebracht ist.

Trastevere Farnesina
Trastevere Farnesina, Landsknechtkritzeleien.

Santa Maria della Scala

Die Kirche

S. Maria della Scala

Hört man das klägliche Gebimmel, das scheppernd viermal stündlich vom Campanile von S. Maria della Scala ertönt, schaut man hinter die hochaufragende Fassade, wobei offenbar wird, dass sie nur potemkinsch ist, geht man gar ins Innere, das einem Austellungsraum für mittelmäßige Kronleuchter gleicht und wo die Weihekerzen elektrisch bedient werden, so spürt man, dass über dieser Klosterkirche am Rande von Trastevere etwas leicht Depressives liegt. Der Name des Gebäudes bezog sich auf ein wundertätiges, angeblich auf einer Treppe gefundenes Marienbild, das viele Pilger anzog. Aufgrund des viele Spenden einbringenden Zulaufs von Gläubigen und Pilgern Ende des 16. Jh. beschlossen die Karmeliterbrüder, sich ein neues Altarbild zuzulegen.

S. Maria della Scala. Das Innere ist voller Kronleuchter

Beauftragt wurde ein junger Künstler aus der Lombardei, der seit einiger Zeit in Rom Aufsehen erregte. Er hatte den Aufruf des Papsttums zur Gestaltung der Gegenreformation sehr ernst genommen, weil das für die Maler die herausfordernde Aufgabe bedeutete, Glaubensinhalte so wahrhaftig und lebensgetreu darzustellen, dass die vom Katholizismus Abgefallenen zurückgewonnen werden konnten. Diesem Auftrag entsprach die Malweise Michelangelo Merisis, genannt il Caravaggio (weil man glaubte, er sei in diesem Ort nahe Mailands geboren), in hohem Maße. Mit seinem neuen Stil, in dem er Hell und Dunkel gegenüberstellte (chiaroscuro), hatte er die Barockmalerei revolutioniert. Er malte gern nach der Natur, seltener aus dem Gedächtnis und jetzt erhielt er von der Bruderschaft den Auftrag, für die Kapelle links neben dem Altar einen Marientod zu malen!  

Das Bild

Er lieferte ein großformatiges Bild von einer jungen Frau, auf einem Bett liegend, offensichtlich tot, mit bleichen Gesichtszügen, umgeben von heftig Trauernden. Die heiligsten Gestalten des Christentums nach einem Modell zu malen, galt damals als Tabu und so entstand schon bald Unruhe durch das Gerücht, der Maler hätte Maria nach einer wirklich Toten, vielleicht einer Wasserleiche oder einer ermordeten Prostituierten gemalt. Die Gerüchte und die Tatsache, dass Maria nicht als angehende Himmelskönigin dargestellt war, sorgten dafür, dass den Karmeliter-Brüdern von Santa Maria della Scala das (in Wirklichkeit außerordentlich gelungene) Gemälde überhaupt nicht gefiel und sie es dem Künstler zurückgaben. Der wiederum hatte einflussreiche Gönner und Kunstfreunde, darunter Peter Paul Rubens, die höchst erfreut waren, ein Bild eines solchen Genies auf den Kunstmarkt werfen zu können. Das geschah nun mit dem „Marientod“, der nach Zwischenstationen beim Herzog von Mantua und beim englischen König heute eine Zierde des Louvre darstellt.

Caravaggio Scala
Caravaggio, Marientod. (Früher in S. Maria della Scala).

Die Brüder von S. Maria della Scala bestellten stattdessen eine keinen Anstoß erregende Darstellung des Marientodes beim Caravaggio-Nachahmer Carlo Saraceni (leider ein nur höchst mittelmäßiges Bild) und auch der Erwerb eines Gemäldes von Gerard van Honthorst, eines weiteren, allerdings sehr begabten Caravaggisten (es hängt heute in der ersten Kapelle rechts) konnte die verpasste Gelegenheit, ein Bild von Weltruhm zu besitzen, nicht ausmerzen, denn auch dieses ist nur mittelmäßig. Dennoch, um Santa Maria della Scala Gerechtigkeit zukommen zu lassen, muss man sagen, dass die Kirche ihr spezielles Flair hat, das perfekt zu Trastevere passt. Wenn man Glück hat, kann man nach Anruf einer Telefonnummer, die im Eingangsbereich der benachbarten Apotheke angebracht ist, einen Termin zur Besichtigung der original erhaltenen Klosterapotheke aus dem 17. Jh. von Santa Maria della Scala vereinbaren.

Piazza di Sant’Egidio

Trastevere Piazza S. Egidio
Trastevere Piazza S. Egidio

Auf dem Weg von Santa Maria della Scala nach Santa Maria in Trastevere weitet sich die Via della Scala zu einem rechteckigen Plätzchen auf, der Piazza di Sant’Egidio. Eine der vielen Straßenmadonnen (madonnine) Roms ist hier auf die Seitenwand einer schmucklosen Barockkirche  gemalt. In dem ehemaligen Kloster neben der Kirche befindet sich jetzt das Bezirksmuseum von Trastevere, das wechselnde Ausstellungen zeigt. Der schon sehr verfallene Palazzo aus dem 15. Jh. auf der anderen Seite des Platzes wurde vor 200 Jahren bei einem Verkauf zweigeteilt, wovon nun eine Hälfte leer steht (die zerstörten Fensterscheiben sind durch Plastikplanen ersetzt). Vor dem Gebäude lösen sich rund um die Uhr Angehörige verschiedener Einheiten des italienischen Heeres ab. Sie unterscheiden sich voneinander durch unterschiedliche Kopfbedeckungen (Barett = Infanterie, Zipfelmütze = Bersaglieri oder Hut mit Feder = Alpini) und bewachen mitnichten den zerfallenden Palazzo sondern garantieren durch ihre Anwesenheit die Innere Sicherheit im Lande – eine Funktion, die viele deutsche CSU-Politiker zu gerne auch der Bundeswehr zukommen ließen. Unzählige Kneipen, Musiker und Straßenhändler sorgen hier allabendlich für viel Trubel. Bei der Trattoria Grazia e Graziella mit der Aufschrift: Mangi e bevi con noi und der fehlerhaften englischen Übersetzung: Eat and drinks with us biegt man an der Kirche Santa Maria in Trastevere links ab und erreicht nach wenigen Schritten die gleichnamige Piazza.

Santa Maria in Trastevere

Trastevere Piazza
Trastevere, Piazza di Santa Maris

Die quadratische Piazza mit dem Barockbrunnen von Carlo Fontana und der wunderbaren Basilica Santa Maria in Trastevere ist das Herz von Trastevere. Den ganzen Tag drängen sich hier viele Menschen, natürlich hauptsächlich Touristen, die die Kirche besuchen. Aber abends mischen sich auch viele Trasteverini unter sie und sorgen dafür, dass hier eine echt italienische Atmosphäre herrscht. Neben der Kirche steht ein stattlicher dreigeschossiger Palazzo, einst Sitz des der Kirche als Titularbischof beigegebenen Kardinals – zur Zeit ist dieser Posten allerdings vakant.

Santa Maria ist eine der ältesten Kirchen Roms, möglicherweise die erste, in der öffentlich die Messe gelesen wurde. Als erste der heiligen Jungfrau Maria in Rom geweihte Kirche soll sie im späten dritten oder frühen vierten Jahrhundert erbaut worden sein. Bei Ausgrabungen unter der Kirche konnte ein im frühen vierten Jahrhundert unter Papst Julius I. (337 – 352) errichteter Vorgängerbau festgestellt werden. Die Tatsache, dass Santa Maria Titelkirche *) ist, weist aber noch weiter in die Antike zurück, auf das Haus eines frühen Christen, in dem Gottesdienste abgehalten wurden. Vielleicht war es der im Liber Pontificalis (der Chronik des Papsttums) erwähnte Titulus Calixti in Trastevere, den Papst Calixtus I. (gestorben 222) gegründet haben soll. Immerhin ruhen seine Gebeine in Santa Maria unter dem Altar und nicht in der nahe gelegenen Barockkirche San Callisto, die aber ebenfalls Titelkirche ist, jedoch erst seit dem 16. Jh.

*) Titelkirchen (titulus ecclesiae) sind altehrwürdige römische Kirchen, meist aufs frühe Christentum zurück gehend, die einem Kardinal als Pfarrkirche zugewiesen werden. Dadurch hat jeder Kardinal eine Verpflichtung in Rom und ist somit eng an das Papsttum gebunden. Früher residierten die Kardinäle beständig in Rom und ließen ihre Heimatdiözesen von Stellvertretern verwalten. Die Einkünfte (Pfründe) daraus verbrauchten sie jedoch in Rom.

Trastevere S. Maria Fassade
Trastevere S. Maria Fassade

Unter Papst Innozenz II. (1138 –1148) wurde die spätantike Kirche abgerissen, neu errichtet und wiederum der Jungfrau Maria geweiht. Die Fassade zur Piazza hin ist mit einem Mosaik des ausgehenden 12. Jh. geschmückt – mit Maria und 10 heiligen Frauen, die Gefäße tragen. Rechts und links von Maria knien zwei kleinere Figuren, vielleicht die Stifter und Auftraggeber des Neubaus. Rechts am Gebäude ist ein Campanile des XII. Jh. angebaut, auch er trägt im obersten Geschoss das Mosaik einer Maria mit Kind. Er zeigt die typische Gliederung römischer campanili, mit nach oben zunehmender Durchfensterung – hier allerdings aus statischen Gründen teilweise später vermauert. Die Vorhalle (1702) von Carlo Fontana ersetzte den mittelalterlichen Portikus mit herabgezogenem Dach durch den jetzigen, am Stil der Renaissance orientierten; auf der Balustrade stehen vier Heilige, ebenfalls von Fontana.

Trastevere S. Maria Inneres
Trastevere S. Maria, Inneres

An der Innenseite der Vorhalle hat man Bruchstücke antiker und mittelalterlicher Grabschriften, zum Teil aus den Katakomben, sowie die Seitenwangen der Chorschranken aus dem 8. Jh. und die Vorderseiten der schola cantorum aus dem 9. Jahrhundert eingemauert. Diese, den Chorraum vom Kirchenschiff trennenden, reich skulptierten Schranken hatte man in der Barockzeit entfernt, bei einer purifizierenden Restaurierung von 1870 in neuem Material aber wieder eingebaut. Bei dieser Gelegenheit entstand auch das viersäulige Ziborium, das den Altar überdacht. Beim Betreten des Kirchenraums ist man überwältigt vom goldenen Glanz der Mosaiken in der Apsis, den gewaltigen Granitsäulen, die sicherlich einem Gebäude der römischen Kaiserzeit entnommen wurden (aus den Caracallathermen?) und der goldenen Decke. Im Chor befindet sich ein gewundener Osterleuchter der Kosmaten und im Scheitelpunkt der Apsis ein Bischofsthron mit 2 Greifen an den Armlehnen, beide aus dem 12. Jahrhundert. Die 21 Säulen von unterschiedlichem Durchmesser, die das Mittelschiff von den Seitenschiffen trennen, tragen auf schönen ionischen und korinthischen Kapitellen einen ebenfalls antiken Architrav (statt romanischer Rundbögen). Dadurch macht das mittelalterliche Gebäude einen eher antiken Eindruck. Auch der T-förmige Grundriss der Kirche mit Querschiff und drei Schiffen orientiert sich daran.  Rechts von den Stufen zum Chor ist die Stelle bezeichnet („fons olei“), an der 38 v. Chr. angeblich eine Ölquelle entsprang, was in der christlichen Tradition als Vorankündigung des Kommens Jesu (des Gesalbten) gedeutet wurde. Zwei weitere kolossale Granitsäulen stützen den Triumphbogen, der den Chor und das Querschiff zum Hauptschiff hin öffnet.

Trastevere S.Maria Inneres
S. Maria in Trastevere, Ziborium und Apsismosaik.

Die Ostwand des Querschiffs mit der Apsis ist mit Mosaiken des 12. Jh. geschmückt, die auf frühchristliche Vorbilder zurückgreifen. Der davor aufgestellte Altarbaldachin (Ziborium) verdeckt sie allerdings teilweise. Das Apsismosaik (um 1140) stellt den mit Maria thronenden Christus dar, links davon der Kirchenstifter Innozenz II. mit dem Modell der Kirche und die Heiligen Calixtus und Laurentius, rechts die Heiligen Petrus, Cornelius, Julius und Calepodius. Darüber, aus dem wie ein Baldachin gestalteten Paradies, kommt die Hand Gottes, die Christus einen Kranz reicht. Darunter ein Streifen mit dem mystischen Lamm in der Herde von 12 Schafen, eine Symbolisierung Christi und der Apostel, zwischen zwei Stadtansichten, die das himmlische Jerusalem versinnbildlichen. An den Querschiffwänden neben der Apsis sind oben die Evangelistensymbole und darunter  die Propheten Jesaias und Jeremias dargestellt. Um 1291 wurde das Apsismosaik von Pietro Cavallini um einen unteren Bildstreifen erweitert. Dieser enthält weitere Darstellungen aus dem Marienleben: Geburt Mariens, Verkündigung, Geburt Christi, Anbetung der Könige, Darbringung im Tempel, Tod der Maria. In letzterem Bild empfängt Christus die als kleines Kind dargestellte Seele der Maria. Im Mittelfeld der vielfarbig gefassten Kassettendecke befindet sich das achteckige Gemälde der Himmelfahrt Mariens von Domenichino (1617). Der Kosmaten-Fußboden *) aus dem 12. Jahrhundert wurde 1870 wiederhergestellt bzw. erneuert.

*) Die Kosmaten waren eine Familie von Künstlern, die sich auf Inkrustationsarbeiten zur Verzierung von Fußböden, Altären, Kanzeln und Chorschranken spezialisiert hatten. Dabei wurden kleine, von den Kosmaten produzierte bunte Marmorstückchen in weißen Marmor eingelegt. Das Material für ihre Arbeit fanden sie in antiken Gebäuden, in denen eine Unmenge von farbigem Marmor verbaut war. Der Name der Kosmaten geht auf ihren Stammvater Kosmas (einen Griechen?) zurück, sie wirkten überall im Mittelmeerraum, wo sich antike Bauwerke befanden.

Piazza S. Cosimato

Wenn man aus Santa Maria in Trastevere kommt, führt rechts an der Piazza, vorbei am Palazzo delle Congregazioni (einer Art Ministerium des Vatikanstaats) die Via San Cosimato zur gleichnamigen Piazza, die wegen der Hanglage am Gianicolo schräg abfällt und einen dreieckigen Grundriss hat. Sie ist von hohen Mietshäusern des 19. Jh. umgeben, vor denen hohe Platanen stehen. Der Kinderspielplatz in der Mitte und der bodenständige Name des hier liegenden Restaurants (i spaghettari) vermitteln noch etwas vom Flair eines funktionierenden und nicht gentrifizierten, populären Stadtviertels. Doch die in banaler moderner Architektur errichteten, teilweise ungenutzten Gebäude des – sehr kleinen – Wochenmarktes und das auch hier zu beobachtende Geschäftesterben geben zu denken.

Einen Heiligen Cosimato als Patron des Ortes hat es nie gegeben, der Name entstand durch verkürzende Verballhornung des Klosternamens Santi Cosma e Damiano in mica aurea, das an einer Seite des Platzes gelegen war und im Namenszusatz auf den goldgelben Sand Trasteveres bezug nimmt. Die beiden Heiligen Cosmas und Damianus galten als zwei wundertätige Ärzte der Spätantike und in verblüffender Kontinuität liegt an der Stelle des im 9. Jh. von Benediktinern gegründeten Klosters heute das Ospedale Nuovo Regina  Margherita. In der Mitte des Platzes senkt sich an einer Stelle der seitliche Fußweg 2 m unter das Niveau der Piazza ab, hier befindet sich ein verschlossenes, altertümliches Portal – aus antiken Spolien grob zusammengeschustert – ganz im Baustil des mittelalterlichen Rom, wo jahrhundertelang Neubauten einzig aus wieder verwendeten altrömischen Trümmerteilen und auf den Grundmauern älterer Gebäude errichtet wurden. Das niedrigere Bodenniveau der älteren Gebäude im Gegensatz zu den Neubauten beruht auf der Jahrhunderte langen Anhäufung von Schutt und Müll in einer Stadt, die keine städtische Infrastruktur (wie eine Müllabfuhr) mehr besaß und deren Baugrund somit immer mehr in die Höhe wuchs. Um herauszufinden, ob sich hinter dem besagten Portal noch etwas Bemerkenswertes befindet, muss man durch den modernen Eingang des Krankenhauses gehen.

Trastevere S. Cosimato
Trastevere S. Cosimato, antiker Eingang ins Atrium.

Schon nach wenigen Metern biegt links ein Gang ab, durch den man den Hof hinter dem Portal erreicht, einen zauberhaften, verwunschenen Ort mit einem aus einer antiken Wanne (wahrscheinlich aus einer Therme stammend) bestehenden römischen Brunnen. Dies muss das Atrium der Klosterkirche gewesen sein, die sich – allerdings in stark entstellter Form und meist verschlossen – hier immer noch befindet. Sie erhielt ihre heutige Form durch gravierende Umbauten, zuerst, als das Kloster von den Benediktinermönchen zu den Clarissinnen wechselte und später, als sie Krankenhauskirche wurde. Die Clarissinnen, Schwesterorden der Franziskaner, lebten in Armut und widmeten sich ganz dem Dienst am Menschen, deshalb benötigten sie keine prachtvolle Klosterkirche.

Trastevere S. Cosimato
Trastevere S. Cosimato, Atrium

Vollständig erhalten blieb jedoch der Kreuzgang des Klosters aus dem 13. Jh., rundum versehen mit romanischen Arkaden, Marmorsäulchen und einfachen Kapitellen, der jetzt im Zentrum des Krankenhauses liegt und von den Kranken zur Erholung genutzt wird. Um mehr Räume für das stark gewachsene Kloster zu gewinnen, hatte man den Kreuzgang aufgestockt mit fatalen Folgen für seine Statik: teilweise neigen sich die Säulchen zur Seite und einige Arkaden mussten vermauert werden. In den Wänden sind Spolien aus der 1000-jährigen christlichen Nutzung des Ortes vermauert wie Sarkophagteile, Bruchstücke von Kapitellen, Chorschranken und Epitaphien. Dies alles bildet einen entrückten, verwunschenen Ort, der aber dennoch den Lebenden dient.

Trastevere S. Cosimato
Trastevere S. Cosimato, Kreuzgang

In einer Ecke des Kreuzganges öffnet sich ein Durchgang zu einem weiteren, viel größeren mit einer beeindruckenden Brunnenanlage in der Mitte, alles einer Erweiterung des Klosters in der Renaissance (unter Sixtus IV.) angehörend. In die Gegenwart zurückgeholt wird der Besucher durch die allgegenwärtigen modernen Schilder, die auf die Altenstation, die Medikamentenausgabe und andere Dinge des Krankenhausalltags hinweisen. In einem Kreuzgangsflügel befindet sich die „Bar Chiostro“!

Trastevere S. Cosimato
Trastevere S. Cosimato

Verlässt man die Piazza S. Cosimato und umrundet das Krankenhausgelände in Richtung Viale di Trastevere, so stößt man kurz vor der nächsten Ecke (Via di San Francesco a Ripa) auf ein (Billig-) Kleiderkaufhaus, in dessen Inneren (!) der Zugang zum im Keller liegenden Supermarkt der Conad-Kette liegt. Hier kaufen viele Trasteverini ein, denn die wunderbaren kleinen Alimentari-Geschäfte (wie auch andere Fachgeschäfte) können mit den Preisen der Ketten nicht mithalten und gehen nach und nach ein. Glücklicherweise hat sich in der Via di San Francesco a Ripa, direkt neben einem weiteren Eingang zu Conad, noch solch ein Juwel italienischen Feinschmeckertums erhalten. Zeitungsausschnitte im Laden zeigen das Besitzerehepaar stolz neben prominenten Kunden wie Barack Obama und Silvio Berlusconi. Aber neben den alimentari weichen auch die guten alten osterie und locande der zunehmenden Streetfoodisierung: überall kann man pizze (schon am Morgen!), Snacks, bruschette und Sandwiches kaufen und der gute Ruf Italiens als Land der Genießer und des Genusses verliert sich schrittweise.

Trastevere Laden
Trastevere Laden

S. Crisogono

Drei Ecken weiter in der Viale Trastevere, die das Stadtviertel in zwei Teile zerschneidet, liegt in Richtung Tiber die Piazza Sonnino mit der Kirche San Crisógono. Zur Straße hin zeigt sie eine barocke Fassade und einen Portikus mit Inschrift, die auf Scipione Borghese als Erbauer hinweisen. Diesem Kardinal und großen Kunstfreund (er ist der Begründer der fantastischen Kunstsammlung der Galleria Borghese) ging eine gewisse Eitelkeit nicht ab: Über sämtlichen Portalen der Kirche ließ er  seinen Namen einmeißeln. Dennoch ist er nicht der Erbauer; der neben der Kirche stehende altrömische Campanile deutet auf ein älteres Baudatum hin. Er zeigt die typischen Merkmale mittelalterlicher römischer campanili wie Ziegelsteinmauerwerk und eine zunehmende Durchfensterung in den höheren Geschossen. Das gleiche Mauerwerk wie am Turm findet sich auch an der Seite der Kirche zur Piazza hin.

Trastevere S. Crisogono Campanile
Trastevere S. Crisogono Campanile

Betritt man das Innere, umfängt einen der Jahrhunderte umfassende Zauber römischer Kirchen: Auf einem Kosmatenfußboden aus dem 12. Jh. stehen wieder verwendete antike Säulen, auf denen einheitlich gestaltete barocke Kapitelle und ein ebensolcher Architrav aufliegen, während die schmucklos gestaltete Wand, wie von außen erkennbar, mittelalterlich ist. Die prunkvolle Decke mit dem Borghesewappen rührt wiederum vom Umbau unter Kardinal Scipione her, 2000 Jahre Kunstgeschichte, vereint in einem vergleichsweise unprätentiösen Bauwerk! Die Apsis nimmt die ganze Breite des Mittelschiffs ein, der davor liegende Triumphbogen wird rechts und links von zwei antiken Porphyrsäulen eingefasst. Unterhalb der barock gestalteten Apsiswölbung ist ein Mosaik in einem Bilderrahmen (!) aufgehängt, das aus dem 14. Jh. stammt, in dem sich die Mosaiktechnik – durch die Verwendung kleinerer Steine und die präzisere Durchgestaltung des Dargestellten – der Malerei annähert, bevor sie durch diese schließlich ganz ersetzt wird. Es stellt die Madonna nebst dem Hl. Chrysogonus dar und war zur Entstehungszeit sicherlich nicht für diesen Platz bestimmt. Es hängt sehr tief, in einem Bereich, in dem man früher keine Bildwerke anbrachte, kann aber so durch den massiven barocken Altarbaldachin hindurch betrachtet werden. Der Heilige ist außer durch Legenden wenig greifbar, unter Diokletian soll er in Aquileia das Martyrium erlitten haben.

Trastevere S. Crisogono
Trastevere S. Crisogono, Inneres

Als man 1917 Ausgrabungen unter der Kirche durchführte, stellte man Vorgängerbauten der Kirche fest, die bis in spätantike Zeit zurückreichen. Nachdem man 4m hohe Stützgewölbe unter der gegenwärtigen Kirche eingezogen hatte, konnte man die Überreste eines Kirchenbaus aus dem 8. Jh. und aus dem 5. Jh. freilegen. Leider verhindern die Stützmauern einen klaren Eindruck vom Aussehen dieser Bauten, doch sind eine Apsis, eine Ringkrypta mit Resten von Fresken und antikes Mauerwerk gut zu erkennen. Das antike Mauerwerk und die Tatsache, dass San Crisogono Titelkirche ist, legen den Schluss nahe, ihren Ursprung im Hause eines Christen zu sehen, der in römischer Zeit das Martyrium erlitt. Kirchen mit einer solchen Herkunft galten vor allen anderen in Rom als so hervorragend, dass man sie bei der Ernennung eines Kardinals diesem als Titelkirche beigab, gewissermaßen als seine Verankerung in Rom. Als Titularbischof gehörte der so Ausgezeichnete zur Diözese Rom und war damit direkt dem römischen Bischof – dem Papst – unterstellt. San Crisogono gehört aktuell dem Erzbischof von Seoul, Kardinal Soo-jung. Die Ausgrabungsstätte ist ob der gewaltigen Höhe des unterirdischen Raumes und der uralten Reste sehr beeindruckend. Hier wird die Situation, dass sich das heutige Trastevere meterhoch auf dem Schutt der Jahrhunderte über den Resten der Antike erhebt, eindrucksvoll erlebbar.

Trastevere S. Crisogono Scavi
Trastevere S. Crisogono, Ausgrabungen

Rundgang II

Excubitorium

Das lohnende Erlebnis des Hinabsteigens in die verschüttete Vergangenheit Trasteveres kann man im antiken Excubitorium wiederholen, den ansehnlichen Resten einer altrömischen Polizeiwache. Sie ist allerdings nur im Rahmen von Sonderführungen zugänglich, dazu wende man sich an die sovrintendenza capitolina ai beni culturali unter der Nummer 060608. Das Excubitorium liegt gegenüber von San Crisogono, auf der anderen Seite der Viale di Trastevere, wo die Via della VII Coorte einmündet.

Trastevere, Excubitorium
Trastevere, Excubitorium

Nach wenigen Metern erreicht man auf der linken Seite unter der Nr. 9 ein ungepflegtes kleines Eingangsgebäude mit der Inschrift: Staz. Coorte VII. dei Vigili (Wachstation der 7. Kohorte). Dahinter ragt eine antike Hausmauer in beeindruckender Höhe auf, die den Anlass gab, an dieser Stelle archäologische Grabungen zu unternehmen. Vom Eingang geht es über eine Treppe 8 m hinab zum Excubitorium, einem Wachgebäude der vigiles, der römischen Polizeitruppe, die für die Brandwacht und die Sicherheit der römischen Bürger zuständig war. So tief unter dem Boden haben sich eine Aula, ein kleines Heiligtum und Räume für die vigiles erstaunlich gut erhalten! Der Name der Einrichtung leitet sich von excubare = draußen schlafen i.e. wachen, ab. Der Zweck des Gebäudes wurde durch zahlreiche antike graffiti der vigiles, die sich auf ihren Dienst beziehen, verifiziert. Leider tut der italienische Staat nur wenig für den Erhalt dieser so interessanten und wichtigen archäologischen Stätte; nach der Ausgrabung wurde sie für fast 100 Jahre dem Verfall preisgegeben. Dabei verschwanden viele Wandfresken und ein Teil der Graffiti. In den 60er Jahren erfolgte eine Restaurierung, doch seitdem liegt die Ausgrabung schon wieder im Dornröschenschlaf.

Trastevere, Excubitorium
Trastevere, Excubitorium
Trastevere, Excubitorium
Trastevere, Excubitorium, Hof
Trastevere, Excubitorium
Trastevere, Excubitorium, Rekonstruktion

Zurückgekehrt zur Piazza San Sonnino geht man links die Via Giulio Cesare Santini und die Via dei Genovesi entlang zur Kirche Santa Cecilia.

Santa Cecilia

Auf dem Weg nach Santa Cecilia fällt auf, dass diesem Quartier der Charme des Stadtviertels nördlich der Viale di Trastevere fehlt. Hier befinden sich nur wenige Läden und Restaurants, die Wohnbauten sind vernachlässigt, man passiert ein marodes Schulgebäude und verfallene mittelalterliche Häuser. Hat man jedoch das Atrium des Komplexes von Santa Cecilia erreicht, umfängt einen das entrückte Ambiente eines Ortes, der seit fast zwei Jahrtausenden dem Glauben dient. Atrium und Fassade der Kirche ließ Kardinal Francesco Acquaviva d’Aragona 1725 durch Ferdinando Fuga, den Architekten des Palazzo Corsini, gestalten. Die berühmte Accademia Nazionale di Santa Cecilia – mit ihrem Orchester ein musikalisches Aushängeschild Roms – war nur 10 Jahre lang im Komplex von Santa Cecilia untergebracht (1652–1661).

Trastevere S. Cecilia
Trastevere S. Cecilia

Die heilige Cäcilie, Schutzherrin der Musik, soll hier in ihrem Wohnhaus um 220 n. Chr. das Martyrium erlitten haben. Die vornehme Römerin erregte allgemeinen Unwillen, als sie sich entschloss, ihre Ehe mit Valerian (der ihre Entscheidung übrigens billigte und daraufhin ebenfalls heiligmäßig lebte), aufzugeben um ein keusches, Gott gefälliges Leben zu führen. (Solche Verstöße gegen die römischen Sitten nahm später Kaiser Diokletian zum Anlass seiner Christenverfolgung!). Cäcilie sollte dafür im Caldarium ihrer hauseigenen Therme im heißen Dampf erstickt werden, doch – laut singend – überstand sie die Prozedur, so dass man sie letztendlich enthauptete. Über ihrem Wohnhaus wurde der schon im V. Jh. erwähnte titulus Ceciliae errichtet, ein Bethaus der frühen Christen. Santa Cecilia gehört deshalb ebenfalls zu den Titelkirchen.

Trastevere S. Cecilia Inneres
Trastevere S. Cecilia Inneres

Im IX. Jh. wurde Papst Paschalis I. im Traum angeblich offenbart, wo sich das Grab der Heiligen befand und als man es in der Katakombe von San Callisto aufgefunden hatte, ließ er als würdevollen Aufbewahrungsort ihrer Gebeine im Jahre 820 die Kirche S. Cecilia über dem titulus Ceciliae erbauen. Dem Stil ihrer Erbauungszeit gemäß besitzt sie ein sehr breites Mittelschiff mit einer Apsis von der vollen Breite des Mittelschiffs. Die wieder verwendeten antiken Säulen des Hauptschiffs wurden bei Umbauten des 19. Jh. durch Ummantelung zu Pfeilern mit niedrigen Arkaden, den mittelalterlichen Kosmatenfußboden ersetzte ein Marmorboden und eine gewölbte, stuckierte Holzdecke überspannte nun das Schiff. Doch hervorragend erhalten blieb das Apsismosaik aus dem IX. Jh. mit den Darstellungen des Erlösers, flankiert von Petrus und Paulus sowie Paschalis mit Cäcilie links und Valerian mit Agathe rechts. Papst Paschalis trägt einen blauen, rechteckigen Heiligenschein als Symbol, dass er zum Zeitpunkt der Herstellung des Mosaiks noch lebte; sein Monogramm steht im Scheitel des Apsisbogens, oberhalb der Hand Gottes, die Jesus krönt. In der Reihe unter den Heiligen – wie auch in Santa Maria di Trastevere – das Lamm Gottes mit je sechs Schafen zu seinen Seiten und der Abbildung des himmlischen Jerusalem in den Ecken.

Trastevere S. Cecilia Mosaik
Trastevere S. Cecilia, Apsismosaik mit Paschalis (links)

Im XII. Jh. erhielt Santa Cecilia den Rom-typischen Campanile und dem angeschlossenen Kloster (leider schwer zugänglich) wurde ein romanischer Kreuzgang angefügt. Im 13. Jh. malte Pietro Cavallini ein Jüngstes Gericht für das Kloster und Arnolfo di Cambio schuf das frühgotische Ziborium über dem Altar. 1599, während notwendiger Renovierungsmaßnahmen, war ein erneutes Wunder fällig: Der zuständige Titularbischof ließ die Gruft unter dem Altar, die die unter Paschalis so wundersam aufgefundenen Reliquien der Heiligen barg, öffnen und in einem darin befindlichen antiken Kasten aus Zypressenholz fand man ihren Körper, unverwest mit den Spuren der Schwerthiebe am Hals. Um das Wunder für alle Gläubigen zu dokumentieren, beauftragte man den begabten Bildhauer Stefano Maderno, den Körper der Heiligen, so wie er ihn angeblich gesehen hatte, in Marmor darzustellen. Das Bildnis ist heute, mit einer Glasscheibe verschlossen, in den Altar eingelassen und für alle Gläubigen sichtbar. Es zeigt die Heilige Cäcilie auf der Seite liegend, mit zu Boden gewandtem Gesicht und die Schwerthiebe am Hals präsentierend. Ein anrührendes Kunstwerk, aber auch Teil eines propagandistischen Manifestes der Gegenreformation: Eine ergreifende Heiligengeschichte, materielle Beweise für ihre Richtigkeit und ein überzeugendes Kunstwerk sollten die zweifelnden Gläubigen wieder in den Schoß der katholischen Kirche zurück holen.

Trastevere S: Cecilia
Trastevere S: Cecilia

Im linken Seitenschiff, gleich am Eingang, liegt der Zugang zu den ausgedehnten Ausgrabungen unter der Kirche. Sie wurden durch die Bauarbeiten zur Anlage einer neuen Krypta um 1900 initiiert. 5 m unter dem heutigen Terrain kamen Mosaikfußböden eines römischen Hauses aus dem II. Jh. n. Chr., Reste des Atriums, das sogenannte „Bad“, in dem die Heilige nach der Legende den ersten Teil ihres Martyriums erlitt und Zeugnisse von Baumaßnahmen, die ein Beleg für die Stadtentwicklung Roms (und auch Trasteveres) im 3. Jh. sind, ans Licht: Das Gelände der vornehmen römischen domus wurde zu einer insula, einem Wohnblock mit Mietwohnungen, umgestaltet. Dabei verwendete man die Grundmauern der Vorgängerbauten, ließ auch einiges (aus Pietät für Cecilia?) stehen, wie das Atrium, das jetzt zum Hof des Mietshauses wurde. Man entdeckt noch Spuren einer Straße, einer Zugangstreppe, einer aula und einer kleinen privaten Therme.

Mittelalter in Trastevere

Mittelalterliche Wohnhäuser

Im Stadtviertel um Santa Cecilia herum hat sich eine größere Anzahl mittelalterlicher Häuser erhalten. Das ist ein kleines Wunder, denn aufgrund ihrer geringen Größe und auch ihres bescheidenen Baumaterials standen sie zu allen Zeiten unter dem Druck, abgerissen und durch etwas Höherwertiges ersetzt zu werden. Die Hauptstadtwerdung Roms 1871 sorgte für den Totalumbau der Stadt der Päpste, in der die Bevölkerung größtenteils in bescheidenen Behausungen neben den grandiosen Palazzi der Kardinäle und Adligen wohnte. Große Straßendurchbrüche, der Bau mehrstöckiger gründerzeitlicher Mietshäuser, Geschäftspaläste und Einkaufstempel wie der Galleria Colonna sorgten jetzt für einen Kahlschlag – nicht nur in der mittelalterlichen Bebauung. Dazu kamen ausgedehnte „Freilegungen“ der ruhmreichen römischen Vergangenheit (besonders in der Mussolini-Ära), der ganze volkstümliche Stadtviertel zum Opfer fielen – und dabei ging der größte Teil der mittelalterlichen Profanbauten unter.

Dieser Prozess fand in Trastevere nicht ganz so vehement statt, weshalb sich hier mehr mittelalterliche Wohnhäuser erhalten haben als auf der anderen Seite des Flusses. Meist sind sie verputzt und mit den typisch römischen Anstrichen versehen, so dass man ihre mittelalterliche Herkunft nur an ihren geringen Dimensionen erahnen kann. Im Zustand des Verfalls, wenn große Putzflächen abfallen, offenbaren sie ihre Herkunft schon genauer: man sieht Mauern aus wieder verwendeten römischen Ziegeln, eingebaute antike Säulen und Kapitelle oder zugesetzte mittelalterliche Fenster. Manchmal besitzen die Häuser auch Verteidigungstürme, einige sehen komplett aus wie kleine Burgen. Viele Besitzer, stolz auf die Vergangenheit ihrer Häuser, haben bei der Restaurierung ihres Eigentums diese Spuren der Vergangenheit wieder sichtbar gemacht.

Casa di Ettore Fieramosca

Trastevere Casa Fieramosca
Trastevere Casa Ettore Fieramosca

Direkt an der Pazza Santa Cecilia findet sich ein schönes Ensemble mittelalterlicher Bauten, besonders das zweigeschossige Eckhaus aus der zweiten Hälfte des XII. Jh. mit Turmansatz gegenüber dem Eingang zum Atrium der Kirche. Schon Ettore Roesler Franz hat im 19. Jh. dessen Charme in einem Aquarell fest gehalten. Im Erdgeschoss kann man noch gut die zugesetzten Arkaden eines ehemals offenen Portikus erkennen, wie er typisch für mittelalterliche Häuser und die damalige Lebensweise war: Die Menschen bevorzugten das Leben „draußen“, saßen oder arbeiteten – geschützt vor Sonne und Regen – vor ihrem Haus und zogen sich in die Gemächer in den Obergeschossen nur zur Nacht oder im Gefahrenfalle zurück.

Casa Ettore Fieramosca, Aquarell von Roesler Franz.

Man bezeichnet das Eckhaus gern als Casa di Ettore Fieramosca, weil der berühmte Ritter 1504 hier gewohnt haben soll, als er, im Gefolge von Prospero Colonna, den gefangenen Cesare Borgia nach Spanien bringen sollte. Der Ritter, der außer dieser Aktion mit Rom und Trastevere absolut nichts zu tun hat, wurde hier wohl aus nationalistischen Gründen instrumentalisiert. Im Risorgimento, wo es um die Wiedererhebung des darniederliegenden Italien ging, galt er, der in dem bekannten Turnier von Barletta (disfida di barletta) gegen zwölf französische Ritter die „italienische Ehre“ wieder hergestellt hatte, als Nationalheld, dessen Spuren auch in der neuen Hauptstadt sichtbar sein sollten. Deshalb lokalisierte man seinen hypothetischen Aufenthalt in Rom an einer Stelle, wo die Bebauung zu seinem Zeitalter passt. Bei seiner nationalen Glorifizierung vernachlässigte man, dass Fieramosca anstelle für die Einigung Italiens für den spanisch-bourbonischen König von Neapel kämpfte.

Trastevere Piazza dei Mercanti
Trastevere Piazza dei Mercanti

An der benachbarten Piazza dei Mercanti – rechts der Casa di Ettore Fieramosca – harren noch weitere mittelalterliche Häuser der Restaurierung. Hier war der Ort, an dem sich die Kaufleute mit Eignern und Kapitänen der Boote trafen, die im nahe gelegenen Hafen von Ripa Grande anlegten, um über den Verkauf der transportierten Produkte zu verhandeln. Erst der Bau des gigantischen Armenhauses „San Michele“ Ende des 17. Jh. (s. u.) beseitigte das von vielen kleinen Gebäuden, Kirchen und Geschäften bestandene Stadtviertel, das Seeleute, Kaufleute und Pilger beherbergt hatte. Nur die Namen der umliegenden Straßen „Via del Canale“, „Via del Porto“ und „Via de‘ Vascellari“ und die genannten Häuser bewahren noch die Erinnerung an den Hafen und das mittelalterliche Rom.

Die Umgebung der Porta Portese

San Michele a Ripa

Trastevere S. Michele a Ripa
Trastevere S. Michele a Ripa

Setzt man den Weg von Santa Cecilia über die Via di San Michele in Richtung Porta Portese fort, verstärkt sich der Eindruck eines düsteren, vernachlässigten Viertels. Das liegt unter anderem am „Complesso monumentale di San Michele a Ripa Grande“ auf der linken Straßenseite. Dieser Gebäudekomplex, einer der größten Roms, erstreckt sich in 350 m Länge und 80 m Breite entlang des Tiberufers und schneidet das Viertel vom Fluss ab. 1686 begonnen, dienten die um zwei große und eine Vielzahl kleinerer Innenhöfe gruppierten Gebäude sozialen Zwecken: Waisenhaus (mit angeschlossenen Werkstätten, in denen die Waisen die Kosten für die Einrichtung erwirtschaften mussten), Armenhaus, Arbeitshaus und Gefängnis; 1790 kamen noch Unterkünfte für „zitelle“ (alte Jungfern) hinzu. Zu den Architekten gehörten die durchaus renommierten Carlo Fontana und Ferdinando Fuga, die jedoch nichts an dem bedrückenden Eindruck des Ganzen ändern konnten. Später diente der Komplex nur noch als Gefängnis und Kaserne und verfiel nach dem Zweiten Weltkrieg immer mehr; ein großer Teil wurde in der 60er Jahren von Hausbesetzern in Beschlag genommen. 1969 erwarb die italienische Regierung das Bauwerk und ließ es ab 1973 schrittweise sanieren. Heute ist hier der zweite Dienstsitz des „Ministero dei beni e delle attività culturali e del turismo“, (MiBACT), des italienischen Kulturministeriums, dennoch hängt über dem Viertel immer noch die Kasernen- und Gefängnisatmosphäre. (Die sich immer noch an den Gebäuden befindenden Inschriften, die auf die frühere Funktion hinweisen, unterstreichen den Eindruck noch).

Trastevere S. Michele a Ripa
Trastevere S. Michele a Ripa, „Haus der Alten“.
Trastevere S. Michele a Ripa
Trastevere S. Michele a Ripa, Haus der“ Jungen“.

Porta Portese

Trastevere, Porta Portese
Trastevere, Porta Portese

Die Porta Portese ist das südliche Stadttor im muro gianicolense, den Papst Urban VIII. zur besseren Verteidigung des Vatikans im 17. Jh. errichtete. Zur Einweihung 1644 war dieser Papst jedoch gestorben, so dass das Wappen seines Nachfolgers Innozenz X. angebracht wurde. Die Porta Portese ersetzte die die antike porta portuensis, die nach Portus, dem antiken Hafen Roms führte. (Durch die fortschreitende Verlandung der Tibermündung musste der Seehafen mehrmals verlegt werden, zuerst von Ostia nach Portus, dann nach Fiumicino. Als die Seeschiffe größer wurden, wählten die Päpste Civitavecchia als neuen Hafen). In den an das Tor angrenzenden Straßen findet jeden Samstag Roms größter Flohmarkt mit hunderten von Ständen, aber wenig interessanter Ware statt. Dennoch drängen sich hier Tausende von Menschen, angezogen von den billigen Preisen. Die einzigen, die auf diesem Markt Profit machen, sind Taschendiebe, die das Gedränge für ihre Zwecke ausnutzen. Sucht man einen Antik-Trödelmarkt, ist man hier fehl am Platze, da sich Händler mit dazu passender Ware an den Fingern beider Hände abzählen lassen. (Besser aufgehoben ist man dafür auf dem mercato dell‘antiquariato am antiken Ponte Milvio im Norden Roms, der aber nur jeden ersten und zweiten Sonntag im Monat stattfindet). Zwischen der Viale di Trastevere und dem Tiber befindet sich – außerhalb der Porta Portese – ein unerfreuliches Stadtviertel mit einer Ansammlung von Baracken, Schrottplätzen, Materiallagern, Busdepots und dem alten Tierheim.

Arsenale

Trastevere, Arsenale
Trastevere, Arsenale

Das einzige Gebäude von Interesse, kurz außerhalb der Porta Portese gelegen, ist das päpstliche Arsenal, ein hoher Bootsschuppen von 1750 mit zwei spitzbogigen Einfahrten. Nach seiner maritimen Bestimmung als Materiallager dienend, harrt es heute einer kulturellen Nutzung. Auch der Weg am Tiberufer zurück zum Ponte Cestio trägt nichts zum besseren Eindruck von diesem Stadtviertel bei: Endloser, vierspuriger Verkehr brandet die Straße Porto di Ripa Grande entlang. Bevor die hohen Tibermauern Ende des 19. Jh. gebaut wurden, lag hier der römische Flusshafen Ripa Grande, an dem die in Portus auf Flussschiffe umgeladenen Waren aus dem Mittelmeerraum Rom erreichten. Die Gebäudefront des Complesso S. Michele war zur Barockzeit an der Tiberfront mit Läden ausgestattet und geschäftiges Treiben erüllte das Viertel, wie man noch auf einem alten Stich von Piranesi sehen kann. Nichts als der endlose Verkehr ist davon bis heute übrig geblieben.

Von Santa Cecilia zur Piazza in Piscinula

Santa Maria in Cappella

Ein schönerer Weg als zur Porta Portese führt von Santa Cecilia zunächst die gleichnamige Straße entlang, bis zur Via dei Vascellari. Gleich rechts (Via Augusto Jandolo) geht es zu einem Innenhof mit dem Hospital und der Kirche Santa Maria in Cappella mit ihrem mittelalterlichen Campanile.

Trastevere, S. Maria in Cappella
Trastevere, S. Maria in Cappella

Die Kirche, gegründet 1090, kann besichtigt werden, nach einer purifizierenden Restaurierung ist sie überwiegend neoromanisch und neobyzantinisch ausgestattet. Das Hospital wurde von der Stadtheiligen Roms, Santa Francesca Romana, begründet. Sie wohnte im Vorgängerbau des Palazzo dei Ponziani, unweit von hier. Elfjährig wurde sie 1395 mit Lorenzo de Ponziani, dem Kommandeur der päpstlichen Truppen, verheiratet. Während ihres ganzen Lebens war sie – davon 40 Jahre als Ehefrau und Mutter von sechs Kindern – sozial tätig. Zunächst machte sie aus einem Teil ihres Palastes ein Krankenhaus (das Hospital Santa Maria in Cappella) und kümmerte sich um Pestkranke. Nach dem Tod ihres Mannes wurde sie Nonne und Gründerin eines Ordens caritativ tätiger adliger Frauen, die nach der Benediktinerregel (ora et labora) lebten. Ihr Kloster, Monastero di Tor de’ Specchi, befindet sich noch heute in einem mittelalterlichen Gebäudekomplex in der Via di Teatro di Marcello, unterhalb des Kapitols. 1608 heiliggesprochen, ruht sie in der nach ihr benannten Kirche Santa Francesca Romana auf dem Forum. Der große Garten beim Hospital wurde von Olimpia Maidalchini, der verrufenen Schwägerin des Pamphili-Papstes Innozenz X. angelegt und ist eine wahre Oase in dieser zugebauten Gegend. Zurück in der Via dei Vascellari (Straße der Schiffer s. o.) steht mit der Hausnummer 44 ein schönes Exemplar eines mittelalterlichen Turmhauses mit eingefügten Säulen und einer marmornen Madonna dell‘Immacolata in einer Nische an der Seite. An der nächsten Ecke biegt man links in die Via dei Salumi ein und erreicht den Vicolo dell‘Atleta.

Trastevere Via Vascellari
Trastevere, mittelalterliches Haus in der Via dei Vascellari
Trastevere Via Vascellari
Trastevere Via dei Vascellari

Vicolo dell‘Atleta

Die Gassehat ihren Namen vom hier aufgefundenen Apoxyomenos, der berühmten Statue des griechischen Bilhauers Lysippos. Die ausgezeichnet erhaltene römische Kopie des griechischen Originals stellt einen Athleten dar, der sich nach dem Wettkampf das Öl, mit dem er sich vorher eingerieben hat, mit einem Striegel vom Körper schabt. Seit ihrer Auffindung Mitte des 19. Jh. ist die Statue ein Highlight der vatikanischen Sammlungen. Der ursprüngliche Name des Vicolo dell‘Atleta ist Vicolo delle Palme. Dieser Name könnte ein Hinweis auf das älteste Quartier der Juden in Rom sein, ist doch die Palme von besonderer Bedeutung für die jüdische Religion. Später mussten die Juden ans andere Flussufer in den Stadtteil Sant‘Angelo umziehen, wo dann beim Portico d‘Ottavia das (mittlerweile abgerissene) Ghetto entstand. Ein sehr schönes mittelalterliches Haus im Vicolo dell‘Atleta 14 trägt auf dem Fuß der Mittelsäule der Loggia im ersten Stock hebräische Schriftzeichen. Womöglich wurde dieses Haus anstelle der von Nathan ben Jechiel (1035-1106) begründeten ersten Synagoge Roms erbaut. Weiter die Via dei Salumi entlang geht es rechts zur Via in Piscinula.

Trastevere Casa dell'Atleta
Trastevere Casa dell’Atleta

Piazza in Piscinula

Case Mattei

Trastevere Case Mattei
Trastevere Case Mattei

Die Piazza in Piscinula, gegenüber dem Ponte Cestio dicht am Tiberufer gelegen, ist typisch für Trastevere, umgeben von schönen alten Gebäuden, leider immer mit Autos vollgestellt. Ihr Name rührt von einem früher hier gelegenen Bad her. An der Platzseite zum Tiber steht ein bedeutender Komplex mittelalterlicher Häuser, die Case Mattei. Die Familie Mattei gehörte mit den Frangipani, Pierleoni, Savelli, Colonna und Orsini zum römischen Uradel. Im frühen Mittelalter besetzten diese Familien strategische Plätze des alten Rom und begründeten damit ihre Machtstellung. Die Frangipani z.B. bauten das Colosseum zur Festung aus, die Savelli das Marcellustheater. Ihr politisches Ziel war die Besetzung möglichst vieler Kardinalsposten und wenn möglich, des Heiligen Stuhles selbst.

Trastevere Case Mattei
Trastevere Case Mattei

Die Mattei, die acht Mal ein Kardinalsamt einnahmen, gewannen ihre Macht und ihren Reichtum aus der Kontrolle des Tiberufers und der Flussübergänge, deshalb lag ihre Basis ursprünglich in Trastevere. Seit 1271 hatten sie das päpstliche Amt des Beschützers der Tiberufer und seiner Übergänge inne, das in Zeiten der Sedesvakanz (d.h. zwischen zwei Päpsten) für politische Stabilität sorgen sollte. (Das Amt trug den umständlichen Titel: Guardiano perpetuo dei ponti e delle ripe dell’alma città di Roma in Sede Apostolica vacante = Ewiger Wächter der Brücken und Ufer der seligen Stadt Rom in Zeiten des vakanten Apostolischen Stuhls). In der Renaissance war der Reichtum der Familie stark angewachsen, da sie ihr durch Brückenzölle angehäuftes Vermögen jetzt in (aus Florenz importierte) neue Geschäftsmodelle wie Großhandel und Bankgeschäfte investierte.

Im Stadtteil Sant‘Angelo auf dem anderen Tiberufer erwarben sie eine ganze insula zwischen der Via delle Botteghe Oscure und dem Ghetto und bebauten sie mit fünf Palästen, darunter dem beeindruckenden Palazzo dei Mattei-Giove am Schildkrötenbrunnen mit seinen vielen eingebauten römischen Reliefs, die vom dort gelegenen Theater des Balbus stammten. Später ergänzten sie ihren Besitz noch durch die Parkanlage der Villa Celimontana mit dem darin gelegenen Casino Mattei. Die an der Piazza in Piscinula gelegenen Case Mattei zeigen noch nichts vom Glanz dieser Residenzen, sind aber im Vergleich mit anderen mittelalterlichen Häusern Trasteveres deutlich größer. Bis in die Renaissance hinein wurden sie noch dem jeweils modernen Stil angepasst, was man an den großen Kreuzstockfenstern erkennen kann. An der besonders malerischen Seitenfront mit einer Loggia im zweiten Stock blieben aber – ebenso wie im Obergeschoss der Fassade – noch gotische Biforenfenster aus dem Mittelalter erhalten. Heute präsentieren sich die Häuser in gutem, restaurierten Zustand und sind im Innern in mehrere Miet-Appartements aufgeteilt.

Trastevere Case Mattei
Trastevere Case Mattei

San Benedetto in Piscinula

Trastevere S. Benedetto
Trastevere S. Benedetto

Gegenüber den Mattei-Häusern ist die unscheinbare Fassade der Kirche San Benedetto in Piscinula in die Häuserfront eingebaut, zurückgesetzt erkennt man einen kleinen romanischen Campanile. Der Legende nach entstand die Kirche auf den Grundmauern des Hauses der Anicier. Diese Familie spielte eine große Rolle im spätantiken weströmischen Reich; der Konsul Olybrius, der Philosoph Boëthius und Papst Gregor der Große gehörten ihr an. Auch der heilige Benedikt von Nursia (480 – 547) soll Anicier gewesen sein und weil überliefert ist, dass er kurz in Rom studierte, bevor er sich – vom lasterhaften Leben der Stadt enttäuscht – in seine Eremitage nach Subiaco zurückzog, hat die Legende seinen Aufenthalt an diesem Ort lokalisiert. Im linken Seitenschiff, von der Sakristei aus zugänglich, liegt die enge Cella, in der er studiert haben soll. Widersprüchlich zur Überlieferung ist jedoch, dass das Gotteshaus keine Titelkirche ist, erst im X. Jh. errichtet wurde und auch die Kapelle, in der sich die Benedikt-Cella befindet, nur bis ins VIII. Jh. zurückreicht. San Benedetto ist dennoch ein zwar schlichtes, aber sehr schönes Exemplar römischer mittelalterlicher Sakralbauten mit wieder verwendeten antiken Säulen und einem der ältesten Kosmatenfußböden in Rom. Im Campanile, dem kleinsten Roms, hängt die älteste erhaltene Glocke der ewigen Stadt (von 1090), wahrscheinlich wurde sie nur durch ihre geringe Größe vor der Einschmelzung bewahrt. Heute wird das Gebäude von den „Heralden des Evangeliums“ genutzt, einem aus Brasilien stammenden Evangelisationsorden.

Trastevere Arco Tolomei
Trastevere Arco Tolomei

Rechts von der Kirche steht an der Via dell‘Arco de‘ Tolomei ein pittoreskes Ensemble aus mittelalterlichem Torbogen und Wohnhaus aus der gleichen Zeit. Es ist der einzige erhaltene Teil eines Wohnkomplexes der aus Siena zugezogenen Adelsfamilie Tolomei. Der Bogen war der Zugang zum Komplex, das daneben liegende Gebäude ein Wohnturm, der aber wegen der ihn überragenden Nachbarbauten nicht mehr turmartig wirkt.

Trastevere Via della Lungaretta
Trastevere Via della Lungaretta, mittelalterliches Haus.
Trastevere Lungaretta Roesler
Dasselbe Haus in einer Ansicht von Ettore Roesler Franz

Obwohl der Rundgang durch Trastevere eigentlich am Ponte Cestio enden soll, empfiehlt sich noch ein Umweg durch die hübsche Via della Lungaretta mit weiteren Mittelalterbauten. In Richtung Viale di Trastevere ist das Häuschen Nr. 164 besonders schön, das auch nach Restaurierung und Modernisierung noch den gleichen Charme wie im 19. Jh., zu Zeiten von Ettore Roesler Franz, ausstrahlt.

Torre degli Anguillara

An der Kreuzung der Via della Lungaretta mit der Viale di Trastevere erhebt sich der Palazzo di Torre degli Anguillara. Die Anguillara kamen ursprünglich vom Lago di Bracciano, ihr Name und ihr Wappen – zwei gekreuzte Aale – beziehen sich vermutlich auf den See. In den „dunklen Zeiten“ – während des Exils der Päpste – gehörten sie zu den römischen Adelshäusern, die in ständigem Kampf mit anderen Geschlechtern lagen, daher erklärt sich auch der festungsartige Charakter des Gebäudes. Nach der Rückkehr des Papsttums nach Rom wurde ihre Macht gebrochen, 1538 gaben sie den Palast auf, um 1700 starb ihre Dynastie aus.

Trastevere, Anguillara
Trastevere, Torre degli Anguillara
Trastevere, Anguillara
Torre degli Anguillara, Seitenansicht

Die Stadtburg zeigt zur Straße hin Formen der Frührenaissance, geht jedoch bis auf das XIII. Jh. zurück. An der Tiberseite stehen die ältesten Teile, der Wehrturm und die ihn mit dem Wohngebäude verbindende Mauer, über die hinweg man die Loggia im Innenhof auf Säulen mit Blattkapitellen erkennen kann. Nach dem Auszug der Anguillara und dem Erdbeben von 1542 verfiel das Gebäude immer mehr, diente wechselnden kommerziellen Zwecken und trug lange Zeit den Namen Palazzaccio (Palastruine). Die letzte Nutzung vor der Restaurierung war als Fabrik für Emaille- und Glas. Auf den Aquarellen von Ettore Roesler Franz kann man den verwahrlosten Zustand zum Ende des 19. Jh. gut erkennen.

Trastevere Anguillara Roesler
Torre degli Anguillara, Aquarell von Ettore Roesler Franz

Anlässlich der Bauarbeiten zur „Regulierung“ der Altstadt wurde die Viale di Trastevere als Straßendurchbruch durch die historische Bebauung geschlagen, dabei enteignete man den Palazzo und stellte die vorher in ein mittelalterliches Häusergewirr eingebetteten Gebäudeteile frei. Die Restaurierung erfolgte stark historisierend. Dem wiedergewonnenen noblen Aussehen entsprechend dient er jetzt als Casa di Dante – nicht etwa, weil der Nationaldichter hier je gewohnt hätte (er war nie in Rom), sondern um ihm zum 600. Todestag (1921) eine würdige Lehr- und Forschungsstätte in der Hauptstadt Italiens zu schaffen.

Tiberinsel

Ponte Cestio

Tiberinsel Ponte Cestio
Tiberinsel, Ponte Cestio

Der pons cestius verbindet Trastevere mit der Tiberinsel. Die Brücke wurde erstmals im Jahre 46 v. Chr. durch Lucius Cestius, den Bruder des Praetors Gaius Cestius (der in der gleichnamigen  Pyramide an der Porta Ostiense bestattet ist), errichtet und erhielt die jetzige Gestalt 370 n. Chr. unter den spätantiken Kaisern Valens, Valentinian und Gratian. Bei dieser Gelegenheit wurde sie umbenannt in pons gracianus. Vom zu dieser Zeit bereits nicht mehr genutzten Theater des Marcellus wurden die Travertinblöcke zur Verkleidung der alten römische Betongusskonstruktion herbeigeschafft. Als 1889-92 die hohen Tibermauern gebaut wurden, passte man die antiken Bögen rechts und links unter Verwendung des alten Baumaterials an die neuen Gegebenheiten an und gab dem 54 m langen und 8 m breiten Bauwerk den alten Namen Ponte Cestio zurück.

Rom Tiberinsel
Rom, Tiberinsel mit S. Bartolomeo

Die Tiberinsel war in der Antike wie ein Schiff gestaltet, mit Bug und dem rostrum (dem zum Rammen bestimmten Schiffsschnabel) in Richtung Norden und einem Obelisken als Mast in der Mitte. Hier stand der berühmte Tempel, der Äskulap, dem Gott der Heilkunst, geweiht war. Portiken und andere antike Gebäude dienten – ähnlich einem Krankenhaus – zur Unterbringung der Leidenden, die bei Äskulap Heilung suchten.

San Bartolomeo

Die Krankenhausfunktion des Tempels ging im Mittelalter auf die 997 von Kaiser Otto III. gegründete Kirche und das Kloster San Bartolomeo über, die auf den Fundamenten des Tempels errichtet wurden. Ursprünglich war die Anlage dem polnischen Heiligen Adalbert geweiht, doch als die Kirche 1180 die Reliquien des Apostels Bartholomäus erwarb, übertrug sie das Patrozinium auf ihn. Das Querschiff rechts bewahrt hinter einem Gitter die Kupferschale, in der die Gebeine des Heiligen hergebracht wurden. Diese ruhen nun in einer römischen Porphyrwanne, auf der die Altarplatte liegt. Das Hauptschiff säumen antike Säulen, die sicherlich vom Asklepius-Heiligtum stammen, ansonsten wurde der Innenraum der Kirche in der Barockzeit umgestaltet, als man das Bauwerk nach schweren Überschwemmungsschäden wieder herstellte. In die Stufen zum Altar ist ein (aus einer ausgehöhlten antiken Säule hergestellter und im Mittelalter skulptierter) Brunnenschacht eingelassen, der zur Quelle des Äskulap führt. Am Brunnenrand sind noch gut die Einschnitte des Seils zu erkennen, mit dem man den Schöpfeimer emporzog. Als im Mittelalter erneut der Aberglaube aufkam, dass das Wasser der Quelle heilkräftig und wundertätig sei, starben viele Menschen, die es getrunken hatten, weil es unter den hygienischen Bedingungen der Zeit offensichtlich verseucht war. Seitdem ist die Brunnenöffnung mit zwei Eisenriegeln verschlossen.

Rom S. Bartolomeo
Rom, Kirche S. Bartolomeo

Der sehr schöne Campanile von 1113 neben der Kirche zeigt die übliche, aufgelockerte Geschossgestaltung. Das Krankenhaus gegenüber der Kirche wird heute vom Ospedale Fatebenefratelli betrieben – eine 2000-jährige Kontinuität der Krankenversorgung auf dieser Insel! Links vom Eingang befindet sich – noch immer in Betrieb – die alte Hospitalapotheke mit originalen Regalen und Gefäßen. Aber die Insel ist auch eine Stätte des Judentums: Das Ghetto lag ja direkt auf der anderen Seite des Tiber, nach seiner Niederreißung wurde 1891 ein kleines jüdisches Krankenhaus in den Klostergebäuden auf der linken Seite der Kirche untergebracht, 1937 eine kleine Synagoge, der tempio dei giovani (wiedereröffnet 1985).

Torre dei Pierleoni

Der mittelalterliche Turm an der Einmündung des Ponte Fabrizo ist der einzige Überrest einer Burg der Pierleoni, die am Velabrum, jenseits der Brücke, einen weiteren Palast besaßen, von dem sich noch stattliche Überreste erhalten haben. Die Pierleoni gehörten zu den einflussreichsten römischen Familien des Mittelalters, ihr Begründer war ein zum Katholizismus übergetretener sephardischer Jude. Ihren Wohlstand verdankten sie der Tatsache, dass die nicht konvertierten Mitglieder der Sippe weiterhin die den Christen verbotenen Zinsgeschäfte tätigen konnten und damit auch den Reichtum des christlichen Familienzweigs beförderten. Ein Pierleoni bestieg gar als Anaklet II. den Heiligen Stuhl, allerdings nur als Gegenpapst. Im hohen Mittelalter schwand die Bedeutung der Pierleoni, der Palast auf der Tiberinsel ging auf die Familie Caetani über und wurde schließlich im XVI. Jh. bei einer Tiberflut zerstört. Vor dem Bau der hohen Ufermauern waren die Wassermühlen, die sich an ihren beiden Ufern erstreckten, für die Tiberinsel charakteristisch.

Tiberinsel , Torre dei Pierleoni
Tiberinsel Pierleoni

Ponte Fabricio

Über den Ponte Fabricio, der auf 57 m Länge und 5 m Breite zum Stadtteil Sant‘Angelo auf dem linken Tiberufer führt, verlässt man die Insel. Erbaut 69 v. Chr. vom curator viorum Lucius Fabricius ist sie die älteste noch existierende Brücke Roms, sie zeigt noch ihr originales Erscheinungsbild und dient heute wie damals, vor über 2000 Jahren, demselben Zweck! Sie wird auch ponte dei quattro capi genannt, nach den vier Hermenköpfen, die sich ebenfalls schon immer hier befanden, vielleicht als Stützpfeiler für ein damals existierendes Bronzegeländer. Eine weitere Veränderung, die vorgenommen wurde, betrifft die Verkleidung; anstelle von Travertinblöcken besteht sie jetzt zum großen Teil aus Ziegelsteinen. Im Mittelpfeiler ist die Entlastungsöffnung für den Fall des Hochwassers freigelassen, hier sogar an einem antiken Bauwerk. Wegen des sehr hoch über den Tiber aufsteigenden Brückenbogens nahmen sich an dieser Stelle schon in der Antike viele Menschen durch Herunterspringen das Leben, wie uns Horaz berichtet.

Auf dem Gianicolo

Ein Spaziergang auf dem Gianicolo gehört mit zu den Highlights von Rom. Fernab vom lärmigen Großstadttrubel erlebt man hier eine Parkanlage mit wundervollen Panoramablicken auf die Ewige Stadt, interessante Monumente und jede Menge Denkmäler. Die Höhe des Gianicolo ist leicht zu erreichen; von Santa Maria in Trastevere oder von der Piazza San Cosimato geht man direkt auf den Hang zu und erreicht nach kurzem Aufstieg über diverse Treppenanlagen den Hügelrand. Der Gianicolo ist keiner der klassischen 7 Hügel Roms, er ist eher der rechte Rand des Tibertals, so wie der gegenüberliegende Pincio mit der gut erkennbaren Villa Medici der linke ist. Seinen Namen hat er vom altrömischen Janus, dem Gott des Eingangs und Ausgangs. Vielleicht nicht nur wegen des hier befindlichen Janusheiligtums, sondern auch, weil der Eingang nach Rom durch die antike Porta Aurelia hier lokalisiert ist. (Schließlich trägt auch der Eingangsmonat des Jahres Janus‘ Namen). Im Mittelalter nannte man den Hügel mons aureus bezugnehmend auf die goldgelbe Farbe des Bodens. 

Panorama Gianicolo
Panoramablick auf Rom vom Gianicolo bei der Acqua Paola aus gesehen

Route:

S. Pietro in Montorio und Tempietto di Bramante (1), Acqua Paola (2), Porta San Pancrazio (3), Basilika San Pancrazio (4), Katakomben (5), Kanone (6), Denkmal für Giuseppe Garibaldi, Anita Garibaldi und Statuen des Risorgimento (7), Villa Lante (8), Leuchtturm (9)

San Pietro in Montorio

Obwohl es überzeugende Quellen gibt, die das Martyrium des Apostels Petrus auf dem ager vaticanus lokalisieren – wo sich der Circus des Caligula befand (und heute die Peterskirche), in dem während der Neronischen Verfolgung viele Christen hingerichtet wurden – hielt sich hartnäckig der Glaube, Petrus wäre auf dem Gianicolo gekreuzigt worden. Das ist leicht damit zu erklären, dass für den Referenzheiligen des Papsttums und für Rom als caput mundi der christlichen Welt ein Ort, wo Petrus das Martyrium exklusiv und hoch über der Stadt erlitt, wesentlich erhabener wirkt, als der Platz einer Massenhinrichtung in einem profanen Stadion. So verwundert es nicht, dass Sixtus IV., der ebenso skrupellose wie innovative Renaissance-Papst trotz besseren Wissens dafür sorgte, dass auf der überall in Rom sichtbaren Terrasse auf dem Gianicolo der Neubau eines Klosters und einer Kirche zum Gedächtnis an Petrus‘ Kreuzigung entstand: San Pietro in Montorio. Als Geldgeber für die Anlage gewann Sixtus die Reyes Catolicos Ferdinand und Isabella von Spanien, die ein Gelübde für einen Kirchenbau abgelegt hatten und die Kosten aus den Einnahmen ihres sizilischen Vizekönigtums bestritten.

Klosterkomplex von S. Pietro in Montorio

Die Kirche wurde in der Renaissance in nüchternem franziskanischem Stil erbaut, für die Wirkung der Fassade in der Fernsicht änderte man extra die traditionelle West-Ost Ausrichtung des Kirchenbaus. Besonderes Augenmerk richtete man auf den Platz, an dem das Kreuz gestanden haben soll. Hier befand sich bereits ein kleines Tempelchen über der Vertiefung, in der nach der Überlieferung das Kreuz stak. Diese Stelle wurde jetzt von einem Kreuzgang umgeben, der an der Piazza San Pietro in Montorio ein Portal erhielt.

Tempietto di Bramante

Um die Bedeutung des Ortes zu erhöhen, beauftragte man den gerade aus Mailand in Rom angekommenen Renaissancekünstler Donato Bramante, auf der heiligen Stätte ein signifikantes Gebäude zu errichten. Bramante entwarf eine tholos, ein Rundtempelchen in dorischem Stil (womit er zum ersten Mal in der Renaissance direkt auf das Altertum zurückgriff), den später so genannten Tempietto di Bramante. Den Rundbau krönte er mit einer Kuppel auf einem hohen Tambour (einem zylindrischen Unterbau). Dies war notwendig, weil das Gebäude, in dem engen Kreuzgang eingezwängt, nur mit starker Untersicht zu betrachten war und man die Kuppel sonst nicht gesehen hätte.

Trastevere S: Pietro in Montorio
Trastevere S. Pietro in Montorio: Tempietto von Bramante

Bramantes tempietto entwickelte sich schnell zur Architekturikone, er wurde bereits zu seiner Zeit vielfach abgezeichnet und regte 200 – 300 Jahre später renommierte europäische Architekten zu eigenen Kuppelbauten an, die aber Bramantes Vorbild nicht verleugnen können – so Christopher Wren zu St. Paul’s Cathedral in London, Jacques-Germain Soufflot zum Pariser Pantheon und Karl Friedrich Schinkel zur Potsdamer Nikolaikirche. Letztlich geht sogar die Kuppel des amerikanischen Kapitols auf Bramante zurück. Das Kloster von San Pietro in Montorio wurde später den Spaniern übergeben, heute ist es exterritoriales Gebiet und Sitz der Real Academia Española. Diese hat es, zusammen mit dem Tempietto unlängst vorbildlich restaurieren lassen und bietet in den vielen zugänglichen Räumen eine interessante Ausstellung über die Geschichte des Ortes.

Fontana dell‘Acqua Paola

Von der Piazza San Pietro in Montorio geht man jetzt links die Via Garibaldi entlang und passiert dabei ein im Mussolini-Stil errichtetes Monument, das Ossuario Garibaldino, das aber im Zusammenhang mit dem Garibaldi-Denkmal (s. u.) besprochen wird. Deshalb erreicht man zunächst die Fontana dell‘Acqua Paola. Ein Grund für den Wiederaufstieg Roms in der Renaissance war die Wiederherstellung der antiken Wasserleitungen, die seit der Völkerwanderung in Trümmern lagen. Ihre Zerstörung hatte maßgeblich zum Abstieg Roms beigetragen und auch im Mittelalter blieb die Einwohnerzahl der Stadt wegen des Mangels an hygienisch einwandfreiem Trinkwasser begrenzt. Von einer Million in der Antike war die Zahl der Bewohner auf 30 000 bis zum Beginn der Renaissance zurückgegangen.

1585 hatte bereits Sixtus V. die Acqua Felice wiederherstellen lassen, die auf dem linken Tiberufer jetzt sogar wieder die höher gelegenen Stadtteile mit Wasser versorgen konnte. Trastevere blieb von dieser Neuerung ausgeschlossen und deshalb ließ Papst Paul V. 1612 die alte Aqua Traiana durch seinen Hausarchitekten Giovanni Fontana wieder aufbauen. Der Bau war nicht ganz selbstlos, lag doch der Vatikan ebenfalls auf dem rechten Tiberufer. Zu Zeiten Pauls V. glaubte man, nicht die Aqua Traiana, sondern einen anderen Aquädukt, die Aqua Alsietina, wiederhergestellt zu haben, wie aus der im Architrav des Brunnens angebrachten Inschrift hervorgeht:

PAULUS QUINTUS PONTIFEX MAXIMUS
AQUAM IN AGRO BRACCIANENSI
SALUBERRIMIS E FONTIBUS COLLECTAM
VETERIBUS AQUAE ALSIETINAE DUCTIBUS RESTITUTIS
NOVISQUE ADDITIS
XXXV AB MILLIARIO DUXIT
ANNO DOMINI MDCXII PONTIFICATUS SUI SEPTIMO

Papst Paul der Fünfte
hat das im Gebiet von Bracciano 
aus den gesündesten Quellen gesammelte Wasser
nachdem die alten Leitungen der Aqua Alsietina wiederhergestellt
und neue hinzugefügt waren
vom 35. Meilenstein hergeführt
im Jahre des Herren 1612, des siebten seines Pontifikats.

Gianicolo Acqua Paola A
Gianicolo, Acqua Paola

Der Brunnen wurde von Giovanni Fontana im Stil eines um zwei weitere Bögen erweiterten Triumphbogens aus Travertin vom Forum des Nerva erbaut. Er markierte den Endpunkt des Aquädukts und wurde vom Volk il Fontanone (der große Brunnen) genannt, auch zum Unterschied von der ebenfalls Fontana dell‘Acqua Paola genannten ersten Ausflussöffnung am Tiberufer, die wir ganz am Anfang unserer Spaziergänge gesehen haben. Die mittleren vier Säulen, die die Bögen unterteilen, entstammen der damals gerade im Abriss befindlichen Fassade von Alt Sankt Peter. Aus fünf Öffnungen schoss das Wasser damals kaskadenartig heraus, das monumentale Bassin davor legte erst 1690 Papst Alexander VIII. zusammen mit der großartigen Platzanlage an. Er ließ auch die Poller mit der eisernen Absperrung anbringen, um zu verhindern, dass die Kutscher hier ihre Pferde tränkten. Das überschüssige Wasser versorgte kleinere, tiefer gelegene Brunnen bzw. wurde weiter bis zum Vatikan geleitet.

Porta San Pancrazio

Die Via Garibaldi führt weiter zur Porta San Pancrazio. In der Antike lief hier die Via Aurelia durch, die vom Forum Boarium am Tiber durch Trastevere zur Porta Aurelia und von hier über Pisa in die Provincia Narbonensis (Provence) in Gallien führte. 1644 wurde unter Papst Urban VIII. beim Neubau des muro gianicolense die marode Porta Aurelia abgerissen und durch die Porta San Pancrazio ersetzt, die ihren Namen von der außerhalb der Mauern befindlichen Basilica San Pancrazio erhielt.

Gianicolo Porta S. Pancrazio
Gianicolo, Porta S. Pancrazio

Doch das neue Stadttor blieb nicht lange erhalten: In den Revolutionsjahren 1848/49 hatten sich – wie in vielen Ländern Europas – freiheitsbewusste Bürger gegen das feudale Herrschaftssystem, in diesem Fall das Papsttum, erhoben und nach der Flucht Pius IX. eine Republik gegründet. Dieses Ereignis fiel mit den Bestrebungen für die Einigung Italiens zusammen, dem Risorgimento. Als sich nun die neu gegründete Römische Republik mit der ebenfalls revolutionären Republik Toskana zusammenschloss, rief das die Franzosen auf den Plan. Sie hatten zwar die Ideen der Revolution entwickelt und in Europa verbreitet, aber als dank dieser Ideen ein mächtiger Nachbarstaat Frankreichs zu entstehen drohte, sandte Staatspräsident Louis-Napoléon (der spätere Kaiser Napoléon III.) französische Truppen zur Niederschlagung der Römischen Republik und der Wiedereinsetzung des Papstes. Nach mehrtägiger Belagerung des Gianicolo, der von den republikanischen Truppen Garibaldis verteidigt wurde, drangen die Franzosen durch die zerschossene Porta San Pancrazio in Rom ein. Sie zwangen Garibaldi zum Abzug, stellten den Kirchenstaat wieder her und stationierten langfristig ihre Truppen in Rom.

Porta S. Pancrazio
Die Porta S. Pancrazio, noch integriert in die Stadtmauer in einem alten Stich

Die Papstherrschaft – deutlich reaktionärer als zuvor – kehrte zurück und die Italiener mussten noch elf Jahre warten, bis 1861 endlich ihr Nationalstaat entstand, diesmal unter der Führung des Königreichs Sardinien-Piemont, dessen Herrscher Viktor Emanuel erster König des geeinten Italiens wurde. Da Rom noch unter der Herrschaft des Papsttums stand, wurde Turin (später Florenz) Hauptstadt eines Königreichs Italien, das wesentlich konservativer ausgerichtet war als zuvor die Römische Republik. Erst 1870, als Napoléon III. wegen des Krieges gegen Deutschland seine Truppen aus dem Kirchenstaat abziehen musste, entmachtete das italienische Militär den Papst politisch und proklamierte 1871 Rom zur Hauptstadt Italiens.

Die heutige Porta San Pancrazio ist eine Rekonstruktion aus dem Jahre 1854, wobei sie von den Stadtmauern frei gestellt und die Straße rechts und links an ihr vorbeigeführt wurde. Das Torgebäude beherbergt heute das Museo della Repubblica Romana e della Memoria Garibaldina, in dem an die oben geschilderten Ereignisse erinnert wird. (Öffnungszeiten Di – Fr 10 – 14 Uhr, Wochenende 10 – 18 Uhr). Nördlich vom Tor befindet sich die Villa Aurelia, einst ein Landhaus (palazzetto) der Familie Farnese (und 1849 erstes Hauptquartier Garibaldis in Rom), das beim Kampf um die Republik zerstört wurde und nach Rekonstruktion heute als Sitz der „American Academy in Rome“ dient.

Basilica San Pancrazio

Vom Tor muss man die Via Aurelia Antica und dann links die Via San Pancrazio ca. 1 km stadtauswärts gehen um zur Basilica San Pancrazio zu kommen. Der Gebäudekomplex, bestehend aus Basilika, Kloster und Katakombe liegt auf der rechten Seite der Piazza di San Pancrazio. Die Katakombe ist der Ursprung der Anlage, denn hier, in einem unterirdischen Gräberfeld außerhalb der Stadtmauern, wurde Pankratius begraben, einer der besonders populären Heiligen der katholischen Kirche.

Nach der Legenda Aurea *) 289 in Phrygien (in der heutigen Türkei) als Sohn eines reichen Römers geboren, kam er 303 als Waise nach Rom und wurde Christ. Zu dieser Zeit hatte Diokletian gerade sein Verfolgungsedikt erlassen, das die Christen zu Staatsfeinden machte. Nur durch Abschwören konnte man einer Verurteilung entgehen. Der angeklagte, erst 14-jährige Pankratius ließ sich jedoch nicht vom Glauben abbringen, weshalb er 304 öffentlich enthauptet und sein Leichnam den Hunden zum Fraß vorgeworfen wurde. Eine Christin konnte diese Schändung unter Lebensgefahr verhindern, sie barg den Körper und ließ ihn in der Katakombe an der Via Aurelia beisetzen.

*) Die Legenda Aurea ist eine im Mittelalter außerordentlich populäre Sammlung von Heiligengeschichten. Ihre historische Glaubwürdigkeit ist nur gering.

Basilica di S. Pancrazio

Im Areal der Katakombe errichtete Papst Symmachus im Jahr 500 eine Basilika, die von Papst Honorius um 630 zur heutigen Kirche San Pancrazio ausgebaut wurde und zu den römischen Titelkirchen zählt. Honorius ließ die Reliquien des Heiligen aus dem Grab in die ringförmige Krypta der Kirche verbringen, die es ermöglichte, dass Hunderte von Gläubigen daran vorbei defilieren konnten. Der heutige Anblick des Komplexes von S. Pancrazio ist durch den Baustil des Barock geprägt, in dem der Kardinalpriester Ludovico de Torres gravierende Umbauten der frühchristlichen Anlage vornahm. Die antiken Säulen des Hauptschiffs wurden entfernt und an verschiedenen Stellen Trasteveres bei Baumaßnahmen erneut verwendet.

Gianicolo S. Pancrazio
S. Pancrazio

Schwere Barockpfeiler bestimmen seitdem die Innenansicht. Die Ostteile des Baus, insbesondere das Querschiff und die Apsis haben zwar die architektonischen Formen des VII. Jh. n. Chr. bewahrt, nicht aber die Dekoration. Das Ziborium über dem Altar ist eine moderne Rekonstruktion nach alten Ansichten, die vier Säulen, die den hölzernen Baldachin tragen, sind allerdings noch original. Auch am Außenbau ist noch Mauerwerk aus der Erbauungszeit mit wechselnden Lagen aus Haustein und Ziegeln zu erkennen.

1849, bei den Kämpfen gegen die Franzosen an der Porta San Pancrazio, wurde auch die Kirche in Mitleidenschaft gezogen und die Gebeine des Heiligen von den französischen Soldaten durcheinandergeworfen. 1966 ist die wichtigste Reliquie in die Kirche zurückgekehrt, das Haupt des Pankratius, das man seit 850 in San Guovanni in Laterano aufbewahrt hatte. Die geborgenen Überreste seines Leibes liegen zusammen mit anderen geretteten Reliquien in dem Porphyrsarkophag unter dem Hauptaltar, das Haupt hingegen in einem silbernen Reliquiar im rechten Seitenschiff – am vermuteten Ort des Martyriums. Darüber ist ein barockes Relief der Enthauptung angebracht. Der derzeitige (2018) Kardinalpriester ist Antonio Cañizares Llovera, Kardinal von Valencia. Die Gemeinde von San Pancrazio ist sozial sehr aktiv: Sie unterstützt 400 Bedürftige aus der Nachbarschaft und öffnet ihre Türen für alle.

Catacombe di San Pancrazio

Im rechten Seitenschiff der Basilika, zwischen dem dritten und vierten Pfeiler, befindet sich der Eingang zur Katakombe. Diese Bezeichnung steht für die unterirdischen Grabanlagen der Spätantike, die aus – in den weichen römischen Tuff geschlagenen – Stollen und darin eingearbeiteten Nischen bestehen, in denen die ersten Christen ihre Toten bestatteten. Ursprünglich trug nur ein Gräberfeld diesen Namen, welches bei der Kirche San Sebastiano an der Via Appia gelegen war. Es erhielt als geografische Zusatzbezeichnung den Namen „ad catacumbas“, was soviel bedeutet wie „bei der Senke“. An diesem Ort wurden während der Christenverfolgung unter Decius und Valerian auch die Reliquien der Apostel Petrus und Paulus versteckt, was ad catacumbas so bekannt machte, dass catacombae nun zum Namen aller derartigen Grabanlagen wurde.

Die besondere Form der Beisetzung in Katakomben resultierte aus den unterschiedlichen Bestattungsriten der heidnischen Römer und der Christen. Während die Römer ihre Toten verbrannten und die Urnen in so genannten Kolumbarien außerhalb der Städte (meist entlang der Hauptausfallstraßen) in Grabmonumenten oberirdisch aufbewahrten, war das bei den Christen komplizierter. Die Bestattung eines Toten erforderte wesentlich mehr Platz als das Aufstellen von Urnen, außerdem erschien die Deponierung von Leichen in oberirdischen Gebäuden als wenig praktikabel. Die Anlage eines Friedhofs erforderte jedoch ein großes Grundstück und da die ersten Christen größtenteils nicht zu den Besitzenden gehörten, war auch diese Lösung schwer zu realisieren. Deshalb ergab es sich fast von selbst, in unterirdische Anlagen auszuweichen, wo nur das Grundstück für den Eingang angekauft werden musste.

Catacombe S. Pancrazio
Catacombe S. Pancrazio

Die unterirdischen Stollen waren beliebig erweiterbar, es war auch ohne weiteres möglich, sie in mehreren Etagen anzulegen. In Zeiten der Verfolgung erschien es ratsam, die Räume für die Bestattungsfeierlichkeiten ebenfalls unter die Erde zu verlegen, zu keiner Zeit haben jedoch Menschen in Katakomben gewohnt. Die Nischen in den Stollen wurden nach der Deponierung der Toten zugemauert oder mit einer Marmorplatte verschlossen, in die man den Namen des Verstorbenen und einfache Zeichen für das Christentum wie das Christusmonogramm, Fisch, Alpha und Omega, Taube oder Anker einritzte. Nur wenige Grabstätten haben sich unberührt erhalten, denn bei Plünderungen der Stadt blieben auch die Gräber nicht verschont. Als Institution hatte die Kirche ein großes Interesse daran, Gebeine von Heiligen und Märtyrern unter dem Altar neu gebauter Kirchen beizusetzen, wo sie den Gläubigen als Beweis für den Glauben und als Vorbild nahe gebracht werden sollten. Umfangreiche Nachforschungen und angebliche göttliche Hinweise sorgten für die Auffindung unzähliger Märtyrergräber (s.o. Santa Cecilia). Reliquienhandel war über das gesamte Mittelalter hinweg ein einträgliches Geschäft für die römische Kirche, später wurden sogar sämtliche in den Katakomben Bestatteten zu Märtyrern erklärt. 

Die Katakombe von San Pancrazio gehört zu den größeren ihrer Art, sie besteht aus einem unendlichen Netz von Gängen, angelegt in mehreren Etagen, mit roh in den Stein gehauenen Nischen (loculi), in denen man man die Toten bestattete. Über eine Serie von Treppen gelangt man in die antike Kapelle, wo die Totenfeiern zelebriert wurden. Rechts am Ende der Kirche, gegenüber der Sakristei, bewahrt ein kleines Museum archäologische Funde wie Sarkophage, Kapitelle, Urnen, griechische und lateinische Inschriften, Reste von Statuen und Amphoren auf. Die Katakombe ist (nur mit Führung) Di, Mi, Do um 9:30, 10:30 und 11:30, Mi auch 16:30 und 17:00 zu besichtigen.
Man gehe nun wieder zurück zur Porta San Pancrazio und der Acqua Paola und biege links in die Passeggiata del Gianicolo ein.

Die Kanone auf dem Gianicolo

Gianicolo Cannone
Die Kanone des Gianicolo

Unterhalb des großen Platzes mit dem Garibaldi-Denkmal steht, der Stadtseite zugewandt, die Kanone des Gianicolo. Wenn man sich häufiger in Trastevere aufhält, wird man den Schuss, der täglich um 12 Uhr von diesem Geschütz abgefeuert wird, bereits gehört haben. Kanone und täglicher Schuss haben nichts mit dem Garibaldi-Gedenken zu tun, sie gehen zurück auf eine Anordnung Pius IX., jeden Tag die Kirchturmuhren Roms zu synchronisieren. Dazu wurde seit dem 1. Dezember 1847 pünktlich um 12 Uhr von der Engelsburg ein Kanonenschuss abgefeuert, nach dem sich die bis dahin extrem unterschiedlich läutenden Kirchenglocken zu richten hatten. 1903 wurde der Standort der Kanone auf den Monte Mario verlegt, aber schon 1904 endgültig auf den Gianicolo, wahrscheinlich war der Knall vom Monte Mario nicht gut zu hören. Die Pünktlichkeit des Schusses wird durch eine optische und telefonische Verbindung mit dem Kapitol gewährleistet. Früher kam das Signal aus dem Observatorium im Jesuitenkolleg (collegio romano) und wurde gleichzeitig an die Kanone und die Kirche von San Ignazio weitergegeben. Das aktuell im Gebrauch befindliche Geschütz ist eine Haubitze auf mobiler Lafette aus dem Ersten Weltkrieg. Der römische Schauspieler und Dialektdichter Checco Durante äußerte in einem Gedicht den Wunsch:

„Herr, gib, dass diese Kanone einzig dazu dienen möge, den Menschen die Zeit zum Mittagessen anzusagen!“

Garibaldi auf dem Gianicolo:

Ossuario Garibaldino

Gianicolo Ossuario
Gianicolo, Ossuario Garibaldino

Der Panoramaweg auf dem Gianicolo, die Passeggiata del Gianicolo, bewahrt eine große Anzahl von Denkmälern an den Risorgimento, die Einigung Italiens. Schon auf dem Weg von San Pietro in Montorio zur Acqua Paola konnte man links das tempelartige Ossuario Garibaldino sehen, das zum Andenken an die 1600 im italienischen Kampf für den Risorgimento von 1849 bis 1870 Gefallenen errichtet wurde. Der Colle del Pino (ein Teil des Gianicolo), auf dem es steht, war der Ort der Niederlage der Garibaldi-Truppen gegen die übermächtigen Franzosen im Jahre 1849. Nach dem Sieg des Risorgimento und der Proklamation Roms als Hauptstadt 1871 lag es nahe, den ganzen Gianicolo zum Gedenkort der Einigung zu wählen. Es dauerte allerdings noch bis in die Zeit Mussolinis, bis 1941 das Ossuario im typisch faschistischen Stil eingeweiht wurde. Das Denkmal besteht aus einem durch je drei Bögen nach allen Seiten geöffneten Travertinwürfel und dem darunter liegenden „sacrario“, in dem die Überreste von 200 Gefallenen der Befreiungskriege aufbewahrt sind. Man hatte sie dafür an den verschiedensten Begräbnisorten exhumiert. Der Porphyrsarg für Goffredo Mameli, den Schöpfer der italienischen Nationalhymne, der mit 22 Jahren beim Kampf um den Gianicolo verwundet wurde und an den dort erhaltenen Verletzungen starb, wurde z. B. vom ursprünglichen Grab auf dem Campo Verano hierher überführt.

Büsten der Garibaldiner

Gianicolo Liikanen
Gianicolo Büste von Herman Liikanen vor der Villa Lante

Die überall an der Passeggiata stehenden Büsten der Garibaldiner wurden zum Teil schon 1849 für einen Gedenkort an die Repubblica Romana auf dem Pincio angefertigt und erstaunlicherweise unter Papst Pius IX. 1851 auch aufgestellt – lediglich die Büsten von Atheisten schloss er davon aus. 1871 verlegte man die Gedenkstätte auf den Gianicolo als dem authentischeren Ort. An allen Wegen entlang der Passeggiata stehen Bildnisse von Intellektuellen, die den Risorgimento begründeten, Politikern, die den neuen Staat formten, Militärs, die als Mitglieder der „Schar der Tausend“ dafür fochten, Frauen, die ihr Leben dafür ließen und sogar die Büste eines Finnen, Herman Liikanen (1835-1926), der 1861 an den entscheidenden Kämpfen als Freiwilliger in der ungarischen Legion (mangels einer finnischen) teilnahm.

Giuseppe Garibaldi

Gianicolo Garibaldi
Giuseppe Garibaldi auf dem Gianicolo

An zentraler Stelle auf dem Gianicolo, fast von jedem Punkt Roms aus sichtbar, steht auf einem Marmorsockel das monumentale Reiterstandbild Giuseppe Garibaldis von 1895. Er sitzt, leicht vornüber gebeugt auf seinem bewegungslosen Pferd und schaut in Richtung Kapitol. Ursprünglich war die Statue in Richtung Vatikan ausgerichtet, was in den Jahren, als der neu gegründete italienische Staat und der Vatikan sehr schlechte Beziehungen zueinander hatten, vom Heiligen Stuhl als Aggression ausgelegt wurde. Der Kirchenstaat wiederum hatte allen Katholiken untersagt, zur Wahl zu gehen und de facto alle Politiker exkommuniziert. Als nun – ausgerechnet unter Mussolini – die zerrütteten Beziehungen beider Staaten in den Lateranverträgen geregelt wurden, gehörte es zu den Bedingungen des Vatikans, die Ausrichtung des Reiterdenkmals zu ändern. Es kehrt dem Papst nunmehr den Hintern zu – und die Frage wirft sich auf, ob die Umstellung die Situation entscheidend verbessert hat. An den Seiten des Sockels befinden sich große allegorische Bronzefiguren, eine davon Amerika darstellend, schließlich war Garibaldi dort von 1836 bis 1848 (in Südamerika) und von 1849 bis 1854 (in den USA, in New York) im Exil.

Anita Garibaldi

Gianicolo Anita Garibaldi
Gianicolo, Anita Garibaldi

Nur 100 m von der Statue entfernt steht das Denkmal für Anita Garibaldi, die Garibaldi in Südamerika kennen und lieben gelernt hatte. Die brasilianische Revolutionärin, die nur 28 Jahre alt wurde, begleitete Garibaldi als Hochschwangere nach Rom und nahm 1849 an den Kämpfen teil. Auf der Flucht vor Louis Napoleons Truppen hatte sie 1849 noch versucht, Venedig zu erreichen, in dem die Revolution noch im Gange war. Aber kurz vor Erreichen des Ziels – nahe Ravenna – erlag sie einem Malaria-Anfall, was Garibaldi in tiefe Verzweiflung stürzte und seine erneute Emigration bewirkte. Anitas Reiterdenkmal unterscheidet sich gewaltig von dem Giuseppes: Sie sitzt im Damensitz auf einem sich hoch aufbäumenden Pferd und feuert einen Revolver in die Luft ab, während sie im linken Arm ihr Neugeborenes hält. Ihre Position auf dem Pferd erscheint so gefährlich instabil, dass man sie im nächsten Moment herunter zu fallen wähnt. Das Denkmal im reinsten Wildwest-Stil wurde zu Mussolinis Zeiten geschaffen und 1932 zusammen mit Anitas Urne, die im gleichen Jahr aus Nizza hergebracht wurde, hier platziert. 

Villa Lante (Finnische Botschaft)

Panorama Gianicolo A
Panoramablick auf Rom vom Gianicolo (bei der Villa Lante) aus gesehen

Vorbei an weiteren Büsten von Garibaldinern führt der Passeggio zur Villa Lante, die als Sommerhaus für den toskanischen Kleriker Baldassarre Turini ab 1518 von Giulio Romano erbaut wurde. Turini wirkte im Umkreis der Medici-Päpste in Rom, zuletzt als Sekretär Clemens VII., Romano gehörte zur Schule Raffaels und war einer der typischen Renaissancekünstler mit nahezu universeller Begabung, bei ihm hauptsächlich für Architektur und Malerei. Die Villa Lante errichtete er auf dem Grundstück mit der wohl spektakulärsten Aussicht auf Rom. Ein verkürzter Vers von Martial, dessen Villa in der Antike hier gestanden haben soll, „HINC TOTAM LICET AESTIMARE ROMAM“ (Von hier kann man Rom als Ganzes würdigen) ist in der Gartenloggia zu finden. Deren drei Rundbögen kann man von fast überall in Rom sehen und tatsächlich haben Künstler wie Vasari, Vasi und William Turner hier berühmte Romansichten gezeichnet. Der Grafiker und Lehrer Piranesis, Giuseppe Vasi, bekannt für seine 240 Veduten von Rom, die er von 1746 bis 1761 schuf, hat hier sein großes Rompanorama angefertigt.

Trastevere Gianicolo Villa Lante
Trastevere Gianicolo Villa Lante

Die Villa wurde von Romano und seinen Schülern auch im Innern ausgestaltet und ging nach Turinis Wegzug aus Rom auf den Herzog von Bomarzo, Ippolito Lante über, dessen Namen sie heute noch trägt. Als die Lantes im 19. Jh. verarmten, wurde das Haus mehrmals verkauft und geriet schließlich an die Schwestern vom Orden Sacré Cœur, die es ab 1880 an den deutschen Archäologen Wolfgang Helbig, Sekretär des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom, Privatgelehrter und Mitglied der Akademie dei Lincei (siehe Palazzo Corsini), vermieteten. Helbig und seine Frau, eine russische Prinzessin, führten einen berühmten Salon, in dem Musiker und Schriftsteller, Adlige und selbst gekrönte Häupter Europas verkehrten. Nebenbei war Helbig auch als Kunsthändler tätig, er vermittelte unter anderem über 950 Kunstwerke an die Ny Carlsberg Glyptothek in Kopenhagen, deren etruskische Abteilung heute noch den Namen „Helbig-Museum“ trägt. Sein Sohn Demetrio Helbig, Chemiker und General der italienischen Luftwaffe, konnte die Villa 1909 kaufen, doch verkaufte er sie 1950 an die Republik Finnland, die sie nun als Sitz der Botschaft beim Heiligen Stuhl nutzt. Die Finnen brachten hier nach der Renovierung auch noch das Institutum Romanum Finlandiae unter, eine wissenschaftliche Einrichtung für Romstudien. Dem Institut und seinen regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen ist es zu verdanken, dass dieses römische Kleinod auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Leuchtturm

Die letzte Sehenswürdigkeit des Gianicolo, auf dem Gipfel des Hügels gelegen, ist der Faro degli Italiani d‘Argentina, ein im Jugendstil errichteter Leuchtturm aus dem Jahr 1911. Dieses Geschenk italienischer Immigranten Argentiniens an Rom wird nach seinem Schöpfer Manfredo Manfredi auch Faro di Manfredi genannt. Der Erbauer entwarf auch das Grabmal Viktor Emanuels II. im Pantheon und gehörte zu den Mitarbeitern am Altare della Patria an der Piazza Venezia. Bei nationalen Anlässen strahlt das Leuchtfeuer in den italienischen Nationalfarben grün, weiß und rot über der Stadt. Immerhin stammen 36% der Argentinier von eingewanderten Italienern ab (und nur 26% von Spaniern), so auch der aktuelle Papst Mario Jorge Bergoglio. Deshalb ist die Verbundenheit der Argentinier mit Italien (und Europa) nicht verwunderlich, was in der witzigen Selbstcharakterisierung zum Ausdruck gebracht wird: „Ein Argentinier ist ein Italiener, der Spanisch spricht, Engländer sein will und sich wie ein Franzose benimmt“. Von der Aussichtsplattform blickt man direkt hinab auf das römische Gefängnis Regina Coeli, weshalb früher Angehörige von Gefangenen diesen Platz nutzten, um mit ihnen durch Zeichen zu kommunizieren.

Gianicolo Faro
Gianicolo Faro


Man kann jetzt den Weg wieder nach Trastevere zurück gehen oder die Passeggiata del Gianicolo zum Vatikan hinabsteigen. In der Nähe des Ospedale Pediatrico Bambino Gesù befindet sich im Untergrund des Gianicolo ein riesiger Busbahnhof, der auch eine direkte Verbindung zum Petersplatz hat.